AIDS, ach das kriegen doch nur Schwule!

„Die sind doch selbst schuld“, wurde oft noch hinzugefügt. Als Anfang der 80er Jahre das Thema bei uns aufkam, war das die verbreitete Meinung zu HIV. HIV steht für Humanes Immundefekt Virus, auch HI-Virus genannt. Was das damals für eine Aufregung war, vergesse ich nie. Mein bester Freund war schwul und mein Dad wollte mir allen Ernstes den Umgang mit ihm verbieten. „Du bleibst da weg, da fährst Du nicht mehr hin“.

Ich wußte ja genau so wenig wie alle anderen über das Virus und die Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), die daraus entstehen kann. Das wollte ich aber so schnell wie möglich ändern, ich bleibe doch nicht von meinen Freunden weg. Hallo?? Ich sprang ins Auto und fuhr los. Noch heute kann ich fühlen, wie mein Herz damals schlug. Klar hatte ich Angst, aber ich wußte auch, dass es dämlich ist so zu reagieren, wie mein Dad. Wir haben uns nicht davon abhalten lassen weiter zu knuddeln, zu knutschen oder in einem Bett zu schlafen und das war auch gut so. Aber wir haben uns ausgiebig informiert!

Heute leben in Deutschland an die 70.000 Menschen mit HIV und auch nach 30 Jahren müßen sie ihre Infektion immer noch vor anderen verbergen um nicht gemieden und ausgegrenzt zu werden. 30 Jahre haben offenbar nicht genügt die Menschheit ordentlich aufzuklären. Man kann hunderttausend mal erklären, dass man mit einem HIV-positiven Mensch genau so umgehen und zusammenleben kann wie mit Nichtinfizierten. Es gibt aber auch Leute, die wollen das gar nicht so genau wissen, die grenzen andere ganz gerne mal aus. Diese Leute nennt man dann Idioten, aber das ist ein anderes Thema.

Von HIV bis AIDS kann es ein weiter Weg sein. Nicht jeder Träger des Virus erkrankt automatisch an AIDS. Das Virus kann ein ganzes Leben in einem Körper schlummern ohne auszubrechen.

Man muss nur wissen wie man sich anstecken bzw. man eine Ansteckung verhindern kann und die Mär mit dem „das kriegen nur Schwule“ sollte inzwischen auch gegessen sein. Ich hätte schon mehrmals damit infiziert werden können, denn ich brauchte schon die ein oder andere Bluttransfusion zum Überleben. Damit hätten wir dann auch schon einen Weg der Infektionsmöglichkeit.

Der Erreger kann nämlich nur durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Menstruationsblut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit übertragen werden. Das tauscht man ja jetzt nicht mit jedem aus, oder? Man muss also nur Acht geben, wenn eine dieser Flüssigkeiten ins Spiel kommt. Mögliche Eintrittspforten sind frische und noch blutende Wunden oder Schleimhäute (Bindehaut, Mund-, Vaginal- und Analschleimhaut).

Blut

Mit Blut kommt man zum Beispiel bei einer Blutentnahme, Bluttransfusion, Verletzung oder durch eine gebrauchte Injektionsnadel (meist, wenn Drogenabhängige diese teilen) in Berührung. Mit Menstruationsblut kommt man auch bei Geschlechtsverkehr oder beim Wechseln der Hygieneprodukte in Kontakt.

Hier gilt absolut sauberes und sicheres Arbeiten mit sterilen Geräten und Handschuhen. Wer nicht auf den nächsten Schuss verzichten kann, der sollte die Nadel nicht mit jemand teilen. Es gibt heute Anlaufstellen wo steriles Material kostenlos angeboten wird.

Sperma und Vaginalsekret

Mit Sperma und Vaginalsekret kommt man logischerweise beim Geschlechtsverkehr jeglicher Art, egal ob vaginal, anal, oral, in Berührung.

Schützt euch und benutzt Kondome!! Scheiß drauf, was der Papst sagt. Man kann sie überall kaufen und man schleppt sich auch nicht tot dran. Und passt auf, dass ihr keinerlei Verletzungen an den Schleimhäuten habt, wenn ihr eine der oben genannten Praktiken vollzieht. Einmal ungeschützter Se*x, ein Leben lang Medikamente oder schlimmer…

Muttermilch

Mit Muttermilch kommen meist nur Babies in Kontakt und jede Mutter, die den Virus in sich trägt, sollte das Stillen lassen und auf Flaschenfütterung zurückgreifen.

Wie schon gesagt, nicht stillen, sondern auf Flaschen umsteigen. Die heutigen Milchpulver sind genauso gut fürs Kind. Und wer sonst noch meint, Muttermilch trinken oder im Fernsehen damit rumzuspritzen zu müßen, lasst es!

Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit

Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit taucht wohl nur in Kliniken und OPs auf oder wenn jemand einen sehr schweren Unfall hat bei dem eine der Flüssigkeiten austritt.

Wann immer ihr an einen Unfallort kommt, zieht die Handschuhe an, die im Verbandskasten liegen. Überprüft den Verbandskasten und die Handschuhe regelmässig, denn Gummi wird mit der Zeit faul und brüchig.

Die Rote Schleife

Vorsicht ist wichtig, aber Angst grenzt aus und das darf nicht passieren! Wer all das weiß und verinnerlicht, der muss in Zukunft keinen Bogen mehr um HIV-positive oder an AIDS erkrankte Mitmenschen machen. Das ist das Schlimmste, was ihr euren Mitmenschen antun könnt – sie zu meiden.

Am Mittwoch ist Welt-Aids-Tag. Besorgt euch ne rote Schleife (Red Ribbon) und zeigt, dass ihr verstanden habt. Sie ist weltweit das Symbol der Solidarität, für Mitmenschlichkeit.

Die Schleife ist Ausdruck für Verlust, Trauer, Leid, Angst, Krankheit – und für verständnisvolle Zuwendung und tatkräftige Unterstützung.

Rot ist die Farbe der Liebe, des Herzens, des Blutes – und der Gefahr. Rot ist die Warnung vor den Gefahren von Aids und den damit verbundenen sozialen Folgen: Armut, Stigmatisierung und Ausgrenzung.

AIDS PIN

Es gibt übrigens so shöne Pins, die kann man das ganze Jahr tragen

Ich könnte noch endlos weiterschreiben, genauer auf die Erkrankung und den Umgang mit ihr eingehen und vieles mehr… Mir liegt das Thema und die Menschen sehr am Herzen, aber mit diesem Beitrag wollte ich in erster Linie auf den 1. Dezember, den Welt AIDS Tag hinweisen.

Weitere Informationen:
Welt Aids Tag
AIDS und HIV-Infektion
Gib AIDS keine Chance
AIDS Schleifen als Pin oder Schlüsselanhänger


↑↑ wieder nach oben ↑↑
Hat der Artikel gefallen? Dann abonniere doch meinen Feed Chaos-Blog RSS Feed abonnieren

Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
Gepostet unter: gedacht
Tags: , , , , , ,
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.


8 Antworten auf AIDS, ach das kriegen doch nur Schwule!

  1. Heike sagt:

    Stimmt, über AIDS ist kaum etwas in den Medien zu erfahren. Dafür ist jetzt ganz Deutschland über Burnout und Depression aufgeklärt. Es sind sicherlich alles wichtige Themen.
    Eine schicke Weihnachtsmannmütze hast Du auf 🙂
    Heike Hamsterbacken

  2. Steffi sagt:

    Danke, danke, danke für diesen Eintrag.
    Ich finde die ganze Aktion mit dem Welt-Aids-Tag super und habe selber das ganze Jahr eine kleine rote Schleife an der Handtasche. Die bekam ich bei We will rock you in Köln, da sie nach dem Musical auch nochmal kurz darüber redeten, darauf hinwiesen und Spenden für die Aids Dtiftung Köln sammelten – da bekam man dann eine Schleife.
     
    Ich find diese Stigmatisierung, die ja trotzdem noch existiert, alles andere als lustig und werde da auch jedes Mal sehr maulig wenn jemand sagt „Das kriegen doch nur schwule“… :/

  3. Sunny69 sagt:

    :yes:
    Danke für den tollen Beitrag, ich werde mir auch die Schleife für den Blog holen. Ganz ehrlich, ich hätte ohne deine Erinnerung nicht an den 1. Dezember gedacht. :sidefrown:

  4. Tina sagt:

    Guter Hinweis zu einem wichtigen Thema. Ich verlor selbst schon einen guten Freund wegen des Virus. I´ll never forget …

  5. Chaosweib sagt:

    @Steffi, da hab ich mich aber böse verlesen, sorry!

    @Tina, das mit Deinem Freund tut mir leid. Ich kenne zwei Infizierte, aber denen geht es noch gut.

Jetzt mitreden!

Bitte beachte die Netiquette. Ich behalte mir vor Kommentare mit Werbe-Links und/oder Keywords als Namen zu editieren oder zu löschen! ↑↑ wieder nach oben ↑↑

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.