Rezension: Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis

der MaerchenerzaehlerIch habe am Wochenende „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis zu Ende gelesen. Das Buch wurde schon mehrfach von den Buch-Gurus auf Youtube und in Blogs rezensiert. Alle waren sich bisher einig, dass es sich bei diesem Buch um etwas ganz Besonderes handelt. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es brennt sich fest in Hirn und Herz. Ich habe das Buch zwar beendet, aber ich bin noch immer nicht fertig damit. Ich werde auch wohl mein ganzes, restliches Leben einen Kinderreim im Kopf haben. Einen simplen Vierzeiler.

Der Märchenerzähler – die Fakten

Doch kommen wir zunächst mal zu den Fakten. Erschienen ist diese gebundene Ausgabe mit einem Umfang von 447 Seiten im Oetinger Verlag. „Der Märchenerzähler“ wurde geschrieben von der 32jährigen Autorin Antonia Michaelis, die bereits im Alter von 5 Jahren mit dem Schreiben begann. Alleine bei Amazon sind 44 Bücher von ihr gelistet und doch hatte ich diesen Namen zuvor noch nie gehört.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher schreibt. Auch „Der Märchenerzähler“ ist ein solches Jugendbuch, empfohlen ab 14 Jahren. Doch dazu später mehr. Kommen wir zuerst zum Aussehen des Buches.

Das Buch gibt es ausschließlich als Hardcover, es gibt weder Taschen- noch Hörbuch dazu. Geliefert wird es, wie die meisten Hardcover Bücher mit Schutzumschlag. Komischerweise entferne ich den immer beim Lesen, da er gerne unten umknickt oder einreißt. Das sieht dann schnell unschön aus, drum lege ich den während des Lesens gut weg. Meist sieht ein Buch unter dem Schutzumschlag nicht sehr spektakulär aus. Oft ist es ein einfarbiger Leineneinband. Nicht so dieses Buch.

Erstmal ergeben Vorder- und Rückseite ein Bild. Auf dem Schutzumschlag steht vorne ein junges Mädchen am Waldrand zwischen „Buschwindröschen“ am Meer. Auf der Rückseite sieht man einen Baum im Wald und eine Waffe, die vermeintlich auf sie gerichtet ist.

Der Märchenerzähler mit Schutzumschlag

Der Märchenerzähler mit Schutzumschlag

Nimmt man den Schutzumschlag ab, sieht es darunter so aus.

Der Märchenerzähler ohne Schutzumschlag

Der Märchenerzähler ohne Schutzumschlag

Na? Aufgepasst? Das Mädchen und die Waffe sind verschwunden. Da bilden sich schon gleich die ersten große Fragezeichen im Kopf…

Der Märchenerzähler – die Story

Man kann kaum 3 Sätze über das Buch sagen, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Ich kann nicht versprechen komplett ohne Spoiler auszukommen, aber ich versuche es.

Anna ist 18, kommt aus gutem Haus und steht kurz vorm Abitur. Sie lebt in einer absolut heilen Welt. Liebt nicht nur das Schlittenfahren im Winter, sie ist auch sonst ziemlich naiv. Abel, ist noch 17,  steht aber auch kurz vor dem Abitur. Er ist ein Einzelgänger, ein Drogendealer, ein Underdock. Alle nennen ihn nur den „polnischen Kurzwarenhändler“. Abel besucht die gleichen Kurse wie Anna, hat aber alles andere als eine unbeschwerte Jugend.

Da ist aber auch noch der andere Abel. Ein fürsorglicher, großer Bruder, der sich aufopferungsvoll um seine kleine Schwester Micha kümmert. Der ihr ein Märchen erzählt. Ein Märchen von der kleinen Klippenkönigin mit dem Diamantherz, die dringend das Festland erreichen muss bevor das schwarze Schiff sie einholt. Anna hört irgendwann mit und es lässt sie nicht mehr los. Immer mehr verschwimmen Märchen und Realität. Obwohl Anna bald weiß, dass das Märchen gar keines ist, ist sie gegen alle Vernunft immer öfter mit den Zwei unterwegs und sie und Abel kommen sich schließlich näher.

Das erste Wort im Buch lautet „Blut“. Es geht also schon gleich auf der ersten Seite gut los. Überall ist Blut, viel Blut. Große, herabfallende, zerborstene Blutstropfen auf weißen Fließen. Blutstropfen, die aussehen wir Mohnblumen. Und erst wenn man die letzte Seite des Buches zugeschlagen hat, weiß man, was das zu bedeuten hat.

Der Buchrücken bietet noch ein paar Zeilen an, die auf Seite 184 im Buch zu finden sind. Die kann ich gefahrlos zitieren, da sie eh außen drauf stehen. Sie lassen ahnen auf welches Abenteuer sich der Leser hier begibt.

Seine Lippen waren kalt wie Schnee, aber jenseits seiner Lippen lag die Wärme von samtenem rotem Stoff, Stoff auf dem nächtlichen Deck eines Schiffes. Sie spürte seine Zunge und dachte an den Wolf. Und wenn es wahr ist, dachte sie, wenn das Märchen wahr ist? Ein Genickschuss und ein tödlicher Biss in den Nacken. Alles stimmt. Und wenn ich einen Mörder küsse?

Der Märchenerzähler – mein Fazit

Viel mehr kann man gar nicht erzählen, wenn man nichts vorweg nehmen will. Ich habe dieses Buch verschlungen. In jeder freien Minute hab ich gelesen, wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist so wunderschön, was  gerade bei den Märchenpassagen zum Tragen kommt. Die Buch-Gurus sind sich auch hier einig und nennen es „poetisch“. Alleine dieses Wort hätte mich beinahe davon abgehalten das Buch zu lesen, denn auf Poesie hatte ich keine Lust. Ich habe mich dann aber doch entschlossen es zu kaufen und für mich ist es nicht poetisch, aber eben wunderschön. Es liest sich ganz leicht, wie auf Wolken und man möchte gar nicht mehr aufhören. Vorallem, wenn man Seite 50 erreicht hat. Ab da kommt die Geschichte so richtig in Fahrt.

Die Story wird sehr eng erzählt und doch hat der Leser die Möglichkeit zu spekulieren. Aber immer, wenn man gerade denkt, so könnte es weiter- bzw. ausgehen, muss man ein paar Seiten später erkennen, dass man sich schon wieder geirrt hat. Das Märchen, das Abel erzählt ist sehr schön, doch die Realität knallhart und brutal. Manches Mal schüttelt man vielleicht den Kopf, meist über Anna, aber dann ist es einem wieder egal und man will einfach nur weiterlesen.

Am Ende hatte ich 3x geheult, aber so richtig. Die Geschichte lässt sicher niemanden kalt. Ich bin jedenfalls noch immer aufgewühlt und stehe auch einem Konflikt gegenüber. Aber definitiv habe ich für den Rest meines Lebens diesen Kinderreim im Kopf. Und jedes Mal, wenn ich ihn höre oder lese, geht das Geheule wieder von vorne los…

Heile, heile Segen,
drei Tage Regen,
drei Tage Sonnenschein
und alles wird vergessen sein…

Die Altersfreigabe von 14 Jahren halte ich allerdings für zu jung. Was da alles passiert muss man, meiner Meinung nach, mit 14 noch nicht lesen. Es ist aber schwer zu sagen ab welchem Alter es „empfehlenswert“ ist. Ich bin über 40 und bin noch ganz benommen. Dabei darf ich noch nicht einmal erklären weswegen, weil ich dann zuviel verraten würde. Ich kann nur empfehlen das Buch zu lesen. Ich sage alles, was älter als 16 ist, lesen, lesen, lesen. Und dann gerne nochmal wieder kommen und drüber diskutieren.

Ich behaupte auch mal, wer ein Buch von der Autorin gelesen hat, der liest auch noch weitere Bücher von ihr, egal ob das nun Kinder- und Jugendbücher sind. Ich habe mittlerweile noch 2 weitere Bücher gekauft. „Das Adoptivzimmer“ empfohlen für 8-10 Jährige und „Der letzte Regen“, das erste Buch für Erwachsene. Ersteres empfehle ich Eltern zum Vorlesen. Eine wunderschöne Geschichte über Trauer und Adoption.

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Der Trailer zum Buch „Der Märchenerzähler“

„Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis
Oetinger Verlag (Februar 2011)
ISBN 978-3-7891-4289-5
Preis: 16,95€

5 Sonnenblumen

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Über Chaosweib

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16 Antworten auf Rezension: Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis

  1. Sunny69 sagt:

    Danke, das is kurz vor meinem Urlaub sehr wertvoll für mich, nun weiß ich wenigstens ein Buch was ich mitnehme. Schade nur das es nicht als Hörbuch zu haben ist, denn eigentlich wollte ich nur den iPod einpacken, nun lasse ich eben Platz für ein Buch im Koffer.

  2. nasch sagt:

    Ich habe die Rezi schon aus dem Artikel mit den BuchTubern gehört, habe mich dann aber für ein anderes entschieden, darüber geht mein Artikel aber auch bald online. Hätte den Märchenerzähler auch gerne als Hörbuch gehabt, aber nun, mal sehen 🙂

  3. Mel sagt:

    Ich denke ich werde mir dieses Buch kaufen.

    Klingt ja doch recht unterhaltsam. In einer Woche gehts in die Türkei, da werd ich Zeit zum Lesen habem.

    Aber ein Buch an einem Wochenende… so eine Leseratte bin ich dann doch nicht. 🙂

  4. Manu sagt:

    Meine Tochter ist 12 und hat dieses Buch verschlungen. Sie war total begeistert. Ich muss aber auch dazu sagen, dass sie nicht eine typische 12-jährige ist… also vom Kopf her.

    Wir hatten schon ein anderes Buch von Antonia Michaelis und auch hier ein absolutes Highlight. Leider weiß ich den Titel nicht mehr. Aber Fr. Michaelis ist anscheinend eine Autorin, die ihr Geschäft versteht… 😉

  5. Tabaluga sagt:

    WOW… das wäre glaub ich auch ein Buch nach meinem Geschmack. Ich denke ich schenk es meiner Tochter und dann kann ich es auch lesen 😉

  6. Daniel sagt:

    „Der Märchenerzähler“ ist für mich bislang ganz klar DAS Lesehighlight 2011. Schwer vorstellbar, dass das Buch in diesem Jahr noch getoppt wird.
    Ich stimme Deinen Worten also unbedingt zu. 🙂

    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Daniel

    • Chaosweib sagt:

      Danke Daniel. Ich fand es auch absolut klasse und ich danke Dir wieder einmal für die Empfehlung und Deine tollen Videos.

      Auch Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße.

  7. annilein sagt:

    Ich stimme dir voll und ganz zu,ich habs auch schon gelesen, ist ein super Buch. Aber ich finds auch zu jung eingstuft.
    Super Rezension!

  8. starfire sagt:

    Erstmal herzlichen Dank für diese ausführliche Rezension. Nachdem hier soviel Lobeshymnen über dieses Buch geschüttet werden muss ich es mir nun auch mal zu Gemüte führen.

  9. EinfachIch sagt:

    ich habe deine Rezension gerade gelesen und als ich das Buch gelesen habe war ich 13 fast 14, also noch unter der Altersfreigabe (du hattest ja geschrieben das du es ab 16 empfehlen würdest)! Ich fand das völlig OK das ich das damals gelesen habe und die Handlungen waren auch völlig OK für mich, also ich finde die Altersfreigabe passend! Das sollte jetzt nicht böse gemeint sein, aber ich wollte mal meine Meinung dazutippen. Das Buch muss ich auch sagen ist klasse geschrieben!

    • Chaosweib sagt:

      Hallo,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich nehme das keinesfalls als Kritik oder „böse gemeint“ auf. Ich freue mich, dass Du dazu was zu sagen hast. Wenn Du das Buch gelesen hast, dann kannst Du Dir sicher vorstellen welche Stelle ich genau meine, die man nicht unbedingt mit 14 lesen muss.

      Würde es nach mir gehen, wären die Altersempfehlungen je nach Inhalt etwas höher angesetzt (oder würden eben ganz wegfallen) und die Eltern könnten entscheiden wie reif ihr Kind ist und ob es den Inhalt schon verarbeiten/verstehen/verkraften kann.

      • EinfachIch sagt:

        ja ich kann mir vorstellen welche Stelle du meinst. Deine Meinung zu der Altersempfehlung, dass die ganz wegfällt und die Eltern entscheiden müssen wie reif ihr Kind ist finde ich ziemlich gut. Meine Eltern hätten mir das dann auch erlaubt! Lg

  10. biene sagt:

    Ich bin 13 und habe dieses Buch als Hörbuch gehört. Es war sooo toll!!! Ich habe mich beim Lesen in Abel verliebt;) Man muss wirklich tagelang darüber nachdenken…

  11. Daniela sagt:

    Hallo 🙂
    Bin eben auf Ihre Rezension gestoßen, weil ich mich für die Meinungen anderer über das Buch „Der Märchenerzähler“ interessiert habe. Letzte Woche habe ich es mir nämlich ausgeliehen und so schnell ich konnte gelesen. Und am Schluss wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Mittlerweile bin ich so weit, dass ich mir jeden Morgen während der Busfahrt zur Schule das Titellies, sprich das Klavierstück des Trailers, anhöre. Ich finde dabei nur schlimm, dass Micha diesen einen Kinderreim aufsagt, weil mir das immer ein paar Tranchen in die Augen treibt. Aber trotzdem höre ich es immer und immer wieder, ich kann gar nicht anders.
    Jetzt weiß ich, dass ich niemals etwas Schöneres lesen werde, denn es ist gar nicht möglich, diese Geschichte zu übertreffen …
    Der Schreibstil, unglaublich.
    Die Handlung, voller Wendungen, voller Überraschungen
    Das Märchen, fesselnd, faszinierend und einfach schön.
    Das alles macht das Buch zu etwas ganz Wundervollem, zu etwas Besonderem.
    Die Altersempfehlung ist wirklich zu niedrig gesetzt, da stimme ich Ihnen zu, aber ich bin auch nur ein Jahr älter, nämlich 15 .. Bin schon heftigere Dinge gewohnt, um es mal so auszudrücken, also im Bezug auf Bücher natürlich. „Der Junge im gestreiften Pyjama“, zum Beispiel, ich weiß nicht, ob Ihnen das etwas sagt, aber danach musste ich noch viel mehr weinen.
    Aber eines ist sicher. „Der Märchenerzähler“ ist mein Lieblingsbuch! <3

    • Chaosweib sagt:

      Hallo Daniela,
      schön, dass Du den Weg zu mir gefunden hast. Ich gebe Dir recht, dieses Buch vergisst man nicht und auch mir kommen bei dem Reim immer wieder die Tränen. Ein wunderbares Buch.

      Zur Altersempfehlung, da gibt es immer unterschiedliche Meinungen. Muss jeder selbst wissen. 😉

  12. Christine sagt:

    Hallo! Habe gerade das Hörbuch zu Ende grhört und muss ihnen zustimmen!
    Auch ich bin über vierzig und musste so weinen ….. Ein Buch, welches mich total mitgenommn hat, ähnlich wie die bücherdiebin !
    16 Jahre ist das mindeste für dieses Buch!

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