Rezension: EREBOS von Ursula Poznanski

EREBOS von Ursula Poznanski Dieses Cover hat mich sofort gepackt und ich musste dieses Buch einfach haben. Doch statt das fast 500 Seiten starke Taschenbuch zu lesen, habe ich mich im letzten Moment für die Hörbuch-Variante entschieden und ich bin wirklich froh über diese Entscheidung. Nicht nur, weil ich so wenig Zeit zum Lesen habe, sondern weil es wirklich total gut gelesen ist. Ich finde die Wahl des Sprechers bei einem Hörbuch ist die wichtigste Entscheidung überhaupt und manche Verlage greifen da echt ganz tief ins Klo. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hörbuch von Natascha Kampuschs Buch „3096 Tage“. Wer Natascha Kampusch schon mal im Fernsehen oder Radio gehört hat weiß, dass sie eine ganz leise, zarte Stimme hat. Als ich dann bei Audible die Hörprobe abspielte, bekam ich fast einen Schock. Ich war froh, das Buch gelesen zu haben, denn hören wäre unmöglich gewesen. Hier wäre zum Beispiel Josefine Preuß oder Laura Maire die bessere Wahl gewesen. Aber ich schweife ab…

EREBOS Hörbuch

EREBOS Cover

Erebos ist ein Spiel. Es beoachtet dich, es spricht mit dir, es belohnt dich, es prüft dich, es droht dir. Erebos hat ein Ziel: Es will töten.

Es geht in dem Buch um ein Computerspiel. Ein Spiel, das dich nicht mehr loslässt. Und ich sage es gleich vorweg. So ist auch das Buch/Hörbuch. Es lässt einen nicht mehr los.

EREBOS – die Story

Die Geschichte spielt in London und irgendwie passt das total. Nick ist 14 und ein normaler Junge. Freunde, Mädchen, Basketball, Rockbands, das sind die Dinge, die einen 14jährigen interessieren. Und Computerspiele natürlich.

Eines Tages verhalten sich Nicks Freunde irgendwie merkwürdig. Sie fehlen im Unterricht, tuscheln geheimnisvoll und reichen komische, flache Päckchen rum. Nick will wissen, was das ist, aber niemand will es ihm sagen. Ist sicher nur ne CD, die auf dem Index steht, so erklärt er sich das. Die Größe des Päckchens kommt hin, aber wieso sagt keiner was darüber? Merkwürdig. Doch dann ist auch Nick dran. Brynn, ein Mädchen aus seiner Schule, will ihm etwas geben.

Kurze Leseprobe. Die Sätze in [] denkt Nick. Wußte nicht wie es schreiben soll, da ich es ja nur gehört habe.

Kapitel 4:
„Könnten wir… nur ganz kurz, ohne Zuhörer?“
„Okay“, sagte er, „aber nur ein paar Minuten.“
Sie war hübsch, ohne Zweifel, aber vor allem war sie geschwätzig und – wie er fand – strohdumm. Nun stöckelte sie hüfteschwingend vor ihm her und lotste ihn zu der Treppe, die zu den Turnsälen führte. Hier war es menschenleer.
„Also Nick, ich möchte dir gerne etwas geben. Es ist wahnsinnig cool.“
Sie griff in ihre Umhängetasche, hielt inne, zog die Hand wieder heraus. Nick dämmerte worum es gehen würde und beinahe hätte er Brynn angelächelt.
„Aber vorher muss ich dich noch etwas fragen.“
Sie strich sich langsam eine Haarsträhne aus der Stirn.
[Wenn du dir einen Gefallen tun willst, frag mich nicht wie ich dich finde.]
„Leg los.“
„Hast du einen Computer? Einen eigenen? Das ist wichtig. In deinem Zimmer?“
[Da war es. Endlich.]
„Ja“.
Sie nickte zufrieden.
„Ähm, und stöbern deine Eltern oft in deinen Sachen herum?“
„Meine Eltern sind keine Freaks.“
„Gut.“
Sie überlegte. Die Stirn angestrengt in Falten gelegt.
„Warte, da war noch etwas. Genau…“
Sie hob mir ihr Gesicht entgegen.
„Du darfst es niemandem zeigen, sonst funktioniert es nicht. Und du darfst keinem sagen, dass ich es dir gegeben habe. Versprochen?“
[Das war albern.]
„Wieso?“
„Das sind die Regeln. Wenn du es nicht versprichst, kann ich es dir nicht geben.“
Nick seufzte gereizt: „Meinetwegen, versprochen.“
„Aber denk dran, ja, sonst krieg ich Probleme.“
Sie streckte ihm die Hand hin. Er ergriff sie. Fühlte wie heiß sie war. Heiß und ein wenig feucht.
„Gut, ich verlasse mich auf dich.“
Sie warf ihm einen Blick zu, der, wie Nick befürchtete, verführerisch sein sollte. Dann drückte sie ihm eine quadratische Kunststoffhülle in die Hand.
„Viel Spaß!“, hauchte sie und ging.
Er sah ihr nicht nach.
[Von wegen Linkin Park.]
Er drehte die DVD ins Licht um besser erkennen zu können, was in Brynns Handschrift darauf geschrieben stand. Es war nur ein einziges Wort, das Nick gänzlich unbekannt war: EREBOS

Nick ging nach Hause und schob die DVD ins Laufwerk. Es war nicht so einfach das Spiel zum Laufen zu kriegen und dauerte ewig, aber dann schaffte er es.

„Tritt ein. Oder kehr um. Dies ist EREBOS.“

Nick trat natürlich ein. Da war eine Spielfigur, aber keinerlei Anweisungen. Aus anderen Spielen kennt Nick natürlich ein paar Tastenkombinationen und er kommt auch wirklich ein Stückchen vorwärsts. Als das Spiel ihn auffodert seinen Namen einzugeben, wird Nick das erste Mal stutzig. Er will irgendeinen Namen wählen, aber das Spiel nimmt nur seinen echten Namen an, als wüßte es genau wer er ist. Er muss nun Aufgaben erledigen, aber nicht am Computer, sondern in der Realität. Das Spiel weiß zu jeder Zeit ob und wie Nick die Aufgaben erfüllt und er kann nur so lange weiterspielen, wie er dem Spiel gehorcht. Tut er das nicht mehr, fliegt er raus und kann nie wieder zurück. Doch auf dem Weg von einem Level zu nächsten werden die Aufgaben immer merkwürdiger. Es beginnt damit, dass er in London eine Kiste von A nach B bringen soll.

Ungläubig geht Nick an den genannten Ort und tatsächlich findet er dort die Kiste auf der auch noch sein Geburtsdatum steht. Nick kann sich dieser Faszination kaum noch erwehren. Macht er eine Aufgabe gut, wird er mit Dingen belohnt, die er sich wirklich gewünscht hat, aber gerade nicht bekommen kann. Das Spiel macht es möglich. Das Spiel lebt! Kein Wunder, dass die Jugendlichen so fasziniert davon sind und sich strikt an die Regeln halten. Doch dann soll Nick jemanden töten…

EREBOS – Mein Fazit

EREBOS HÖRBUCH

Dieses Buch hat mich total in seinen Bann gezogen. Es ist so gut erzählt, dass man sofort in der Geschichte drin ist. Spätestens an dem Punkt wo Nick das Spiel startet, kann man nicht mehr aufhören zu lesen/hören. Man befindet sich in diesem Computerspiel und wünscht sich manchmal, dass man das wirklich kaufen und spielen könnte. Es muss so toll sein. Also, bis auf die tödlichen Anweisungen, natürlich. 😀

Die Charaktere sind gut gezeichnet. Nick ist ein normaler, aufgeschlossener Junge, der wie die meisten Jugendlichen den Ergeiz hat in einem Spiel alles zu erreichen. Alle Level, alle Punkte, alle Boni. Das Buch zeigt auf wie schnell man den Bezug zur Realität verlieren kann.

Der Sprecher des Hörbuchs ist sehr gut gewählt, er hat großen Anteil daran, dass man dran bleibt. Das gilt natürlich auch für den Schreibstil der Autorin. Man ist so süchtig nach diesem Buch wie die Jugendlichen nach dem Spiel. Man legt das Buch nicht eher aus der Hand und macht den iPod nicht aus bis man alles weiß:

Wie weit wird Nick gehen um weiterspielen zu können? Was ist das Ziel, das EREBOS verfolgt? Wer hat es programmiert? Wird Nick tun, was EREBOS von ihm verlangt oder riskiert er ausgeschlossen zu werden?

Oh Gott, die Story ist so spannend geschrieben. Ich hatte wirklich viel Spass mit dem Hörbuch. Das ist ein Buch für Jungen und Mädchen, für Jung und Alt. Ein moderner Jugend-Thriller, indem alles ganz real zu sein scheint. Da ist die Rede von Facebook, ICQ, Google usw. Jeder, der sich im Internet bewegt und schon einmal ein Computerspiel gespielt hat, kann sich da einfühlen. Ich kann dieses Buch bzw. Hörbuch wirklich jedem empfehlen.

EREBOS von Ursula Poznanski
Taschenbuch: 485 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (7. Januar 2010)
ISBN-13: 978-3785569573
Altersempfehlung: ab 12 Jahre
(ich sage eher ab 14)
Preis: 14,90 €

Hörbuch/Audiobook: 6 CDs
Spieldauer: 458 Min.
Sprecher: Jens Wawrczeck
Verlag: Dhv der Hörverlag (Januar 2010)
ISBN-13: 978-3867175715
Preis: 19,95 €

5 Sonnenblumen

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Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
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5 Antworten auf Rezension: EREBOS von Ursula Poznanski

  1. Andrea sagt:

    Die Beschreibung hört sich ja richtig interessant an! Das macht Lust auf’s lesen bzw. hören. 🙂
    Grüße, coffee

  2. Anja sagt:

    Das hört sich wirklich gut an 🙂 Wenn das Buch nur halb so gut ist, wie es von dir beschrieben wird muss ich es unbedingt lesen! Ich habe gerade richtig Lust bekommen es mir sofort zu kaufen 🙂

  3. Susi sagt:

    Danke für den Tipp 😉 Könnte definitiv auch etwas für mich sein!!!

    LG Susi

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