Rezension: Alice im Netz – Das Internet vergisst nie!

Das Internet vergisst nieJa, schon wieder eine Rezension. Aber keine Sorge, sie wird nicht allzu lang. Das Büchlein hat auch nur 148 Seiten (ohne Nach- und Geleitwort) und ist in einem Rutsch durchgelesen. Es ist eigentlich eine Schullektüre, was ich sehr toll finde, aber diese Geschichte ist absolut JEDEM zu empfehlen, der sich im Internet bewegt und/oder Kinder hat, die im Internet aktiv sind. Das Cover alleine macht schon neugierig. Das hier ist die 2. Auflage. Die Erstausgabe sieht anders aus, aber das hier passt optimal zum Thema und war mit ein Grund für meine Kaufentscheidung. Alice versucht hier die ganzen Monitore, die sie augenscheinlich mit großen Augen beobachten, abzuwehren. Doch um was geht es jetzt in diesem Buch? Das will ich euch kurz erzählen.

Buchcover: Alice im Netz - Das Internet vergisst nie!Alice im Netz – Die Story

Es geht um Alice. Alice ist 16 Jahre jung und Schülerin am Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Soweit nichts besonderes. Alice ist aber auch Bloggerin (sie betreibt einen Schulblog) und so ziemlich in jedem Sozialen Netzwerk unterwegs, dass angeboten wird. Und hier erwachte zum ersten Mal mein Interesse an dieser Lektüre.

In Alice‘ Blog, den sie als „Rasende Rita“ führt kommen ihre Mitschüler und Lehrer selten gut weg. Das kennt man doch, man lästert ja gerne mal. Rita alias Alice schreibt viel und gibt auch viel von sich preis. Sowohl im Blog, als auch bei SchülerVZ, Facebook & Co. Überall wo Alice angemeldet ist hat sie natürlich einen Account und ein Profil, in dem man einiges über sie erfährt. Alice geht überhaupt recht sorglos mit ihren Daten um, postet wie jeder täglich Statusmeldungen und lädt Fotos hoch. Alice denkt sich nichts dabei, sie hat Spass im Netz.

Ja, bis sie eines Tages eine eMail mit folgendem Inhalt erhält…

Eine Mail von Jared

Alice, alles, was ich über dich weiß, hast du mir selbst verraten. Alles, was du über mich wissen musst, ist, dass ich dich liebe und dass du mir nicht entkommen kannst … Jared

Alice hält das erst für einen Scherz und verdächtigt ihre Freundin, doch die leugnet etwas damit zu tun zu haben. Doch die Mails kommen nun immer öfter und sie werden immer bedohlicher. Einmal schickte Jared ihr einen Link zu einem Videoportal. Was Alice da sah, schnürte ihr nun vollends die Kehle zu. Wer ist dieser Jared und was will er zum Teufel? Ist er ein Stalker? Ein Irrer? Ein Perverser?

Mail an Alice

Leseprobe von Seite 5:
„Er hockte in seinem Versteck im Dickicht der Büsche und zitterte. Aber nicht vor Kälte. Die Erregung ließ ihn erschauern und drückte ihm gleichzeitig den Schweiß aus sämtlichen Poren. Er atmete schwer. Sein Gesicht fühlte sich fiebrig an. Die Hitze war überall in seinem Körper. Jede Faser glühte so, dass er das Gefühl hatte, jeden Moment zerfließen zu müssen.

Er hielt es nicht länger aus. Keuchend erhob er sich von dem Teppich aus Moos, Unkraut und vermoderten Blättern und verließ sein sicheres Versteck. In geduckter Haltung bewegte er sich langsam auf das Mehrfamilienhaus zu. Sie hatte die Vorhänge nicht zugezogen. Sie zog sie nie zu. Als wollte sie gesehen werden. Das passte zu ihr. Und er würde ihr diesen Wunsch erfüllen. Er kannte sie. Wusste alles über sie: was sie sich wünschte, wovon sie träumte, was sie dachte. Sie selbst hatte ihm all das verraten. Und er hatte seine Hausaufgaben gemacht.“

Alice im Netz – Meine Meinung

Alice im Netz BuchrückseiteDiese Lektüre wurde in Zusammenarbeit mit der Caritas und lehrer-online.de herausgegeben. Sie zeigt einem die Gefahren des Internets auf, ohne ständig den warnenden Zeigefinger zu heben. Es ist auch kein Ratgeber, es ist eine richtige Geschichte. Ein Roman mit Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Und man liest und liest bis man alles weiß: Wer ist Jared? Kennt Alice ihn? Was will der Typ von ihr? Wie gefährlich kann er Alice werden?

Ich bin froh, dass man sowas heute in der Schule behandelt und wie gesagt, nicht nur dort ist es wichtig. Stalker gibt es überall und in jeder Altersklasse, das betrifft nicht nur Jugendliche.  Alice, die das am eigenen Leib schmerzlich erfahren muss, ist kein Enzelfall. Jeder, der seine Daten und Gedanken im Netz verbreitet ist auf irgendeine Weise angreifbar.

„Wer schreibt, der bleibt“. Das ist nicht nur ein Spruch aus der Werbeindustrie, nein, das gilt auch fürs Internet. Wer da einmal was reinschreibt, der bleibt für ewig und drei Tage dort stehen. Was einmal veröffentlicht ist, kriegt man nicht mehr weg. Und sollte es einem an einer Stelle mal gelingen alles zu löschen, bedenkt, dass sich das inzwischen bereits Tausende runtergeladen und gespeichert haben könnten. Es wird euch immer und immer wieder verfolgen.

Die Autorin Antje Szillat hat neben diversen Kinder- und Jugendbüchern noch weitere „Lektüren“ dieser Art geschrieben. Themen wie Mobbing, Amoklauf und Alkohol sind in unserer Zeit leider ebenso präsent, wie dieses hier. Ihr neuster Jugendroman „Solange du schläfst“ wird bei den Buch-Gurus gerade hoch gehandelt und landet sicher auch bald in meinem Regal.

Aber nun zu euch!
Googelt mal euren Namen und schaut, was ihr da so alles findet. Schreibt mir mal, ob ihr auch so viel von euch preisgegeben habt und ob ihr manches gerne rückgängig machen würdet? Kennt ihr alle Privatsphäre-Einstellungen in den Accounts und Profilen und nutzt ihr sie auch? Füllt ihr jedes Feld im Profil aus, oder nur das allernötigste? Postet ihr auch Statusmeldungen á la „Ich bin jetzt hier und gehe nach da. Dabei kratze ich mich am Kopf und bohre in der Nase?“

Was sollen eigentlich Meldungen wie „I’m at home (Musterstrasse 13, Musterstadt)“, I’m at Supermarkt (Marktplatz 7, Marktstadt) oder I’m at Firma (Firmenweg 23, Firmstadt). Ich halte sowas ja für völlig sinnfrei. Oder ist das damit der Einbrecher weiß, wenn der Typ gerade in der Firma angekommen ist, dass er noch 8 Stunden Zeit hat, die Wohnung auszuräumen? Andererseits ist aber auch ganz praktisch, wenn der Liebhaber bei Twitter sehen kann, wann der Ehemann die Firma wieder vederlässt. Dann kann er sich in Ruhe anziehen und verschwinden. 😀

Sagt mir doch bitte mal wie ihr über all das denkt. Das Thema bietet doch ne Menge Diskussionsstoff, oder? 😉

„Alice im Netz – Das Internet vergisst nie!“ von Antje Szillat
Broschiert: 155 Seiten
Edition Zweihorn; 2. Auflage 2011
ISBN-13: 978-3935265485
Altersempfehlung: 12 – 13 Jahre
Preis: 6,95 Euro

Ich vergebe hier 4,5 Sonnenblumen, weil ich der Meinung bin, das hätte man noch ein bisschen ausbauen können. Zum Beispiel der Link, den Jared an Alice gemailt hat. Wenn man den in den Browser eingibt, kommt „Seite nicht gefunden“. Es gibt mittlerweile diverse Mitmachbücher die Telefonnummern und Webseiten geschaltet haben. Hier hätte man auch ein Warnvideo oder ein gestelltes Video á la Aktenzeichen XY einstellen können, finde ich. Sonst ist das Buch aber absolut empfehlenswert.

Bewertung: 4,5 Sonnenblumen

Sorry, jetzt ist es doch ein bisschen länger geworden als vorgesehen. 😳

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Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
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10 Antworten auf Rezension: Alice im Netz – Das Internet vergisst nie!

  1. nasch sagt:

    Ich glaube das könnte mir gefallen, das kommt mal auf meinen Amazon Wunschzettel *lach*

  2. Nina sagt:

    Ich bin – für meine Freunde – relativ offen und schreibe viel auf meinem (privaten) Facebook-Account. Dieser ist aber so verriegelt wie es nur geht. Selbst unter meinen Freunden unterscheide ich. Ich habe Leute von früher geadded, die bekommen aber nur bla bla zu lesen. Die, mit denen ich aktuell viel zu tun habe, dürfen alles wissen. Allerdings schreibe ich nicht wenn ich gerade einkaufen gehe, in Urlaub fahre oder sonstwas. Die engsten Freunde wissen das eh – außerhalb von Facebook, aber sicher ist sicher – das geht niemanden sonst was an. Auch nicht, wo ich mich gerade befinde. Find sowas lächerlich.

  3. Kai sagt:

    So langsam scheint das Thema zum vor sich hin köchelnden Dauerbrenner zu werden. 😉
    Um deine Fragen zu beantworten: Auf meinem FB Account (übrigens mit echtem Namen
    *fg*) finden sich sage und schreibe 12 „Freunde“ – von denen kenne ich ganze 3 aus dem Internet. Und das bereits seit einer Zeit, als DSL-Flatrates noch ein Funkeln im Auge des Telekom-Vorstands waren. Das mit dem „Sucht mal nach eurem Namen“ Spiel beherrsche ich amüsanterweise recht gut – wer mit meinem Klarnamen sucht, wird vollkommen falsche, irrelevante oder (bestenfalls) lausig veraltete Daten von mir finden, wenn überhaupt. Erstaunlicherweise gibts darüber hinaus mehr als genug Namensdoppelgänger von mir, die netzweit vertreten sind, so dass meine echten Daten gar nicht mehr zu finden sind. Hervorragend.

    Anders sieht die Geschichte da schon mit meinen zwei oder drei Nicknamen aus. Über die findet man entsprechend viele Details heraus: Welche Spiele ich spiele/mag, welche Webseiten/Foren ich besuche und eine aktive Email lässt sich daraus auch leicht ableiten. Da mir das aber bewusst ist, schreibe ich im Netz nur die Dinge nieder, zu denen ich sowohl virtuell, als auch real problemlos stehen kann. Keine Hetze gegen den Chef, kein Tratsch über Familie/Freunde/Kollegen, keine illegalen Texte oder terroristischen Traktate.. nicht, dass ich sowas offline verfasse, aber nunja ..mit anderen Worten – den Hobbymenschen hinter dem Nick kann man anhand ebendiesen sehr gut erfassen. Glücklicherweise bin ich nicht nur (real) schlecht im Netz zu verfolgen, sondern kenne mich darüber hinaus mit so seltsamen Dingen wie „Cookies“, „Verlauf“, „Adblock Plus“, „NoScript“, „Firefox statt Internet Explorer“ und generell allen sicherheitsrelevanten Gepflogenheiten im Netz aus. Obschon ich beispielsweise bei FB registriert bin, ist FB bei meinem NoScript per se gesperrt und wird nur ‚freigelassen‘, wenn ich meine 5 Minuten „gucken wir mal, was es neues gibt“ bei FB direkt verbringe. Die ganzen „Fanboxen“ und „Me Likes“ Scripte sind bei mir also verlorene Liebesmüh. Selbiges gilt übrigens auch für „Google Analytics“ und Konsorten, sowie jedwede IP-Adresse / URI, die auch nur im entferntesten die Silbe „ad“ benuzt. *gg*

    Aber ich finde es trotzdem erfreulich, dass es soetwas wie diese Bücher gibt. „Is mir doch egal“ gilt nämlich immer nur solange, bis es einen selbst erwischt. Von daher: „Ich mags“. Auch wenn ich nicht auf den Facebook-Button drücke. 🙂

    • Chaosweib sagt:

      Ich danke Dir für den ausführlichen Kommentar. Ich finde es toll, dass man sowas in der Schule behandelt und wenn es nur einen Bruchteil der Schüler zum Nachdenken anregt. Ich habs gerne gelesen und es war am Ende schon hart geschrieben für 12jährige, finde ich. Ich hoffe der Schockeffekt rüttelt auf.

  4. Antje Szillat sagt:

    Liebe Jutta,

    erst einmal, DANKE für diese wirklich gute Rezension. Ich bin sehr, sehr froh, dass „Alice`Geschichte“ nun auch die Aufmerksamkeit bekommt, die ich mir dafür erhofft hatte. Deinen Hinweis mit der Seite (so wie in Aktenzeichen X,Y, Ungelöst) finde ich klasse. Darüber werde ich mal mit dem Verlag sprechen. Und ja, es ist recht harter Stoff für 12-jährige. Aber ich wollte nicht mit dem pädagogisch erhobenen Zeigefinger daherkommen, sondern in aller Härte eine Geschichte schildern, die ganz genau so sein könnte.

    Wenn man meinen Namen googelt findet man ungefähr 20 – 30 TSD Einträge. Ich gebe mir allerdings sehr große Mühe, dass diese Einträge auf beruflicher Basis beruhen. Doch das ein oder andere, das über mich im Netz herumschwirrt, wurmt mich auch schon, und ich bin nicht in der Lage, es aus dem Internet entfernen zu lassen. Das Internet vergisst eben nie. Das habe ich selbst auch schon am eigenen Leib erfahren müssen.

    Dennoch schätze ich das Internet sehr und mag es auch niemanden schlecht-reden. Nur ein wenig auf die Gefahren aufmerksam machen. Sich dessen bewusst sein, dass das nicht nur eine Kiste ist, die überhaupt nichts mit meinem echten Leben zu tun hat, die ich jederzeit einfach ausstellen kann und gut ist gewesen.

    Ganz herzliche Grüße von Antje

    • Chaosweib sagt:

      Hallo Antje,
      es freut mich, dass Dir die Rezension gefällt. Mir hat Alice‘ Geschichte auch sehr gefallen und ich finde man kann gar nicht genug darauf aufmerksam machen, vor allem bei Kindern. Ich habe es auch schon einer Klasse hier empfohlen.

      Du hast das auch genau richtig geschrieben, wissen wir doch, dass erhobene Zeigefinger nichts bringen. Hier muss ein Schockeffekt her.

      Ich bin auch schon ganz gespannt auf „Solange du schläfst“, wollte aber auf die zweite „farbechte“ Auflage warten. 😉

      • Antje Szillat sagt:

        Liebe Jutta,

        „farbechte“ Auflage – das hört sich ja lustig an;-). Aber ich kann dich beruhigen, Solange du schläfst ist tatsächlich bereits in die zweite Auflage gegangen (was mich natürlich sehr, sehr freut).

        Ganz herzliche Grüße und ein sonniges Wochenende,

        wünscht dir Antje:-)

  5. Marlene sagt:

    Hatte damals den Newsfeed bei mir favorisiert 🙂
    Meine elfjährige Nichte wünscht sich unter anderem ein Buch zu Weihnachten und da habe ich das Buch gestern schon einmal bestellt. Wir sagen zwar immer, sie soll vorsichtig im Internet sein, hat selber auch noch keine E-Mail-Adresse, aber man weiß ja nie 😉

    Danke für die Rezension 🙂

    LG
    Marlene

    • Chaosweib sagt:

      Hallo Marlene,
      ich freue mich immer, wenn meine Beiträge irgendwas bewirken oder jemandem helfen. Ich denke, wenn Deine Nichte das hier selbst liest, wirkt es mehr, als wenn Ihr immer warnt.
      Danke für die Rückmeldung. 😉

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