Facebook: Science-Fiction ist angekommen

Facebook LebensarchivMark Zuckerberg kriegt offenbar noch nicht genug. Auf der Entwicklerkonferenz F8 hat Zuckerberg alle fundamentalen und erschreckenden Neuerungen vorgestellt. Er will die TOTALE KONTROLLE über die Nutzer. Ob mit oder ohne deren Zutun. Facebook soll eine Art Lebensarchiv werden. Die Nutzer sollen nach Möglichkeit alles, aber auch wirklich alles preisgeben. Von der Geburt über Schule, Zeugnisse, Hochzeit, Familienfeste, Rezepte, im Restaurant Gegessenes, Selbstgekochtes, gesehene Filme und Videos, gehörte Musik, gelesene Bücher, besuchte Orte, besuchte Leute, Jogging- und Reiserouten und und und… Eben alle Lebensereignisse, die es gibt, soll man Facebook mitteilen.

Egal ob Gegenwart oder Vergangenheit, das Nutzerprofil soll möglichst ein endloser Steckbrief, Ahnentafel und was weiss ich nicht alles werden. Die optimale Timeline beginnt mit der Geburtsurkunde und einem Babyfoto. Alles soll lückenlos dokumentiert werden. Man soll das alles schön brav mit seinen Freunden teilen, damit gleichzeitig mehr Informationen denn je auf den Facebook-Servern für immer und ewig gespeichert werden können.

Zitat spiegel.de
Facebook soll zur totalen Archiv- und Konsumplattform werden, zum Spiegel der Existenz von Hunderten von Millionen. Und damit zum effektivsten, attraktivsten Werbeumfeld in der Geschichte. Denn wer alles über seine Kundschaft weiß, kann ihr auch in idealer Weise Produkte anpreisen.

Zuckerberg weiß aber auch, dass die Nutzer teilweise schon darüber genervt sind, was Facebook alles wissen will und überlegt wie er sonst noch an diese Infos kommen kann. Gibt der User also sein Verhalten nicht freiwillig preis, dann müßen die Facebook-Apps eben mehr Freiheiten und Rechte bekommen. Sie sollen in Zukunft mehr über Profile, Verhalten, Vorlieben usw. ausspionieren, speichern und Facebook übermitteln können.

Zitat spiegel.de:
Die zwei zentralen Säulen seiner Präsentation: Eine neue Facebook-Zentrale namens Timeline, die das herkömmliche Social-Network-Profil ersetzen soll, und drastische Erweiterungen dessen, was bei Facebook „Open Graph“ heißt – der Mechanismus, dass bei Facebook unternommene oder mitgeteilte Dinge automatisch dem eigenen digialen Bekanntenkreis mitgeteilt werden. Auch dann, wenn der Nutzer gar keinen Facebook-eigenen Dienst, sondern eine von externen Entwicklern angebotene App innerhalb des Social Networks nutzt. Wer wo joggen geht, was er kocht, welche Musik er hört – all das soll ganz automatisch archiviert werden, für alle Ewigkeit auf den Servern Facebooks gespeichert werden. Ein digital-multimediales Tagebuch.

Was heute ganz unten in in der Timeline verschwindet, soll in Zukunft erhalten bleiben. Wichtiges soll konzentriert gebündelt werden, unwichtiges eingeklappt, aber verfügbar sein. Der Ticker, den einige bereits in ihren Profilen sehen konnten, dient ebenfalls der Konsumentenbeobachtung. Hier wird ständig angezeigt, was die Freunde gerade tun und tun mehrere User das gleiche, merkt sich das ein Algorithmus und verschiebt diese Info in den langsameren, wichtigeren Newsfeed. Man soll in Zukunft auf Facebook Filme und Serien schauen, Musik hören und News lesen können. Facebook soll der Dreh- und Angelpunkt der Welt werden.

In einigen meiner Bücher geht es um die Zukunft, darum dass ein System alles kontrolliert. Was dort zum Beispiel im Jahre 2080 beschrieben wird, heißt heute Facebook und ist schon da.

Zuckerberg will alles wissen, um alles speichern und verkaufen zu können. Er will die totale Macht. Und? Macht mir das Angst? Nein! Was mir Angst macht, sind die User die ihm genau das alles mitteilen.

via spiegel.de

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Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
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16 Antworten auf Facebook: Science-Fiction ist angekommen

  1. Sandra K. sagt:

    Dabei hätte man doch meinen sollen, das Facebook angesichts der Entscheidung des ULD mal nachdenkt und genau in die andere Richtung agiert.
    Für mich ist das ganze nur ein Grund mehr, mich noch weiter in Richtung Google+ zu orientieren. Aber es gibt bestimmt wieder genügend Leute, die so dumm sind, Facebook alle Daten in den Rachen zu schmeißen.

  2. MrsJennyenny sagt:

    Guten Morgen Jutta!

    Wieder ein toller Beitrag von dir. Danke, dass du immer neues und wichtiges schreibst.

    Zum Thema Facebook: Wenn Facebook alles weiß (wo du dich befindest, wie lange du da bist et cetera) dann werden sich kriminelle doch freuen. Sie wissen ganz genau wann du nicht zu Hause bist, welche Joggingstrecke du bevorzugst und ob du alleine bist oder nicht. Ich finde es erschreckend wie so etwas (auch bei der Regierung) durchgehen kann und wie du schon oben schreibst wird es sicher viele User geben, die dies pflegen und eingeben werden. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag und ein schönes Wochenende.

    Grüße Jenny

  3. Nicole* sagt:

    Ja genau, mir machen auch mehr diejenigen Angst, die alles bis auf´s Unterhemd von sich Preis geben. Aber das google neben facebook der größte Spion unter allen ist, darf man auch nicht unbeachtet lassen.

  4. Naja auch wenn ich das, wenn es dann tatsächlich so kommen sollte, nicht gut heißen kann, denke ich dennoch, dass jeder doch selbst entscheiden kann ob er Facebooker wird oder nicht. Wenn er sich dafür entscheidet, dann muss er eben auch mit den Konsequenzen leben, wer dies nicht will geht nicht dort hin bzw. löscht sich dort wieder und gut ist. Und mal abgesehen davon, wir sind doch schon bereits ziemlich durchschau bar im Netz, denn schon mit den einloggen ins Netz weiß man über unser Verhalten dort bescheid. Das sollte sich jeder doch mal vor Augen führen und wer dies nicht will, sollte sofort seinen Internetzugang kündigen.

    Grüßle das Sonnenblümchen ☼

  5. Tina sagt:

    Berichte über diese neue Timeline sind mir heute schon hier und da untergekommen, denn Nutzen für die User hat allerdings niemand erkannt, vermutlich weil es den nicht gibt 🙂
    Ich bemühe mich stets, nicht allzuviel von mir mitzuteilen und deaktiviere viele dieser merkwürdigen Facebook-Funktionen, aber manchmal kommt man ja echt nicht mehr hinterher mit dem Zeug 🙁
    Google + mag ich aber trotzdem nicht…bis jetzt jedenfalls sind da hauptsächlich Leute unterwegs, die mir irgendwas verkaufen wollen und mich vollkommen unmotiviert zu irgendwelchen Kreisen hinzufügen nur um mir ihre Werbung anzudrehen, das nervt.
    Da deaktiviere ich lieber fleissig bei Facebook weiter und behalte für mich, was andere nix angeht 🙂

  6. Manu sagt:

    Ich bin noch nie bei FB gewesen und habe es auch nicht vor, mich dort anzumelden. Ich gebe Dir allerdings recht, dass jeder Nutzer eben genau abwägen muss, was er von sich preis gibt. Ist ja überall so. Egal ob in Blogs, bei Twitter, Google+ oder eben bei FB.

    War auf jeden Fall interessant zu lesen und hat mich in meiner Meinung zu FB wieder bestätigt. 😉

    LG

  7. Pingback: Das neue Profil bei Facebook – Timeline

  8. Martin sagt:

    Ich sehe in den neuen Profil irgendwie auch eine Chance, dass vielen Benutzern mal auffällt wie viel Unsinn und wie viel privates sie denn eigentlich preisgeben. In der noch aktuellen Pinnwand-Variante ist alles nach 2 Tagen vergessen, mit der Timeline werde die Benutzer immer wieder damit konfrontiert und denken dann vielleicht mal ein wenig mehr nach.

    Aber an sich hast recht Jutta, es wird genug, mit Verlaub, Idioten geben die trotzdem wirklich alles preisgeben. Wenns ganz dumm läuft sogar der Großteil der Benutzer.

    Aber naja, wie oft wir es hier schon diskutierten, am Ende entscheidet jeder Benutzer selbst auf was er sich einlässt. Man muss diesen ‚digitalen Lebenslauf‘ ja nicht bis zum geht nicht mehr ausfüllen. Man muss auch keinen Anwendungen wie Spotify oder Hulu erlauben alle abgespielten Medien auf der eigenen Pinnwand in der eigenen Timeline zu veröffentlichen.

    [Klugscheißermodus] Ach ja, Facebook verkauft seine Daten nicht, dann würden sie kein Geld mehr verdienen ;-)[/Klugscheißermodus]

    • Martin sagt:

      Ach ja, und weiterhin gelten ja die gewohnten Datenschutzeinstellungen. Wenn niemand den Geburtstag sehen darf, sieht ihn auch weiterhin niemand in der Timeline usw usf.. Also keine Angst 🙂

  9. Manuela sagt:

    Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Im Prinzip hat man immer noch selbst die Kontrolle, dass Problem der heutigen Zeit/Jugend ist einfach, dass Sie nicht über die Konsequenzen der totalen Dateneingabe nachdenken, als ob wir das in dem Alter gemacht hätten.
    Sprich selbst wenn die Älteren „weiseren“ sich Facebook erwähren, dauert es zwar noch ein wenig, aber die nächste Generation wird komplett archiviert sein…

    • Martin sagt:

      Guter Beitrag 🙂

      Vor allem denkt keiner darüber nach, da auch kaum noch jemanden Eigenverantwortung nahegelegt wird.
      Die Problemgruppe ist meiner Meinung nach im Alter von 12-18. Die bekommen alle ziemlich viel diktiert und vorgeschrieben, und alle heiklen Angelegenheiten die das Leben betreffen werden geschickt in die Zukunft geschoben. (Zumindest mein Eindruck der Jugend)

      Kein Wunder, dass sich solch angeeigneten Eigenschaften dann auch im Internet wiederspiegeln. „Es ist doch immer jemand da der uns beschützt – zumindest sagen das alle.“

  10. Fischkopp sagt:

    Meine Meinung habe ich auch in meinem Blogbeitrag geschrieben, FB entwickelt sich zum gläsernen User für Handel und Industrie, ideal für naive Nutzer und solche die zur exzessiven Selbstdarstellung neigen. „Exhibitionisten-Network“ ;-))
    Die Dreistigkeit besteht darin, das nicht ausgefüllte Daten automatisch durch Nutzer Aktivitäten ergänzt werden, bis das Profil komplett ist… Mein Abgang ist sicher, bin eh´schon mehr bei Google+

  11. Erdbeere sagt:

    Die Süddeutsch spricht von der Gefahr des Mikrokosmoses, innerhalb dessen sich das gesamte Web widerspiegeln wird. Wenn alles nur noch über Facebook & Co läuft, wird das eigentliche Internet zur Nebensache degradiert. Entwickler beklagen heute schon, das sie bald nur noch FB Schnittstellen programmieren werden, alles andere tritt in den Hintergrund!

    Ist ein interessanter Ansatz, der dort in der Presse verfolgt wird, habe leider den Link nicht parat.

    Lieben Samstags-Erdbeergruß

  12. BaaamDaaam sagt:

    Also ich finde schon, dass Facebook ganz schön schindluder mit den Daten betreibt. Aber man muss dazu auch sagen: Kein hat uns gezwungen dort anzumelden. Jeder weiß mittlerweile was dort abgeht und kann abwägen ob er sich der Datenspeicherung aussetzen will oder nicht. Und ob jetzt bei Facebook Deutschland tatsächlich solche gravierenden Unterschiede gemacht werden, wage ich zu bezweifeln. So funktioniert Facebook nun einfach mal.

    mfG

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