Rezension: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Buch: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen Wenn man weiß, dass ich Thriller und Horrorbücher mit viel Blut und Gemetzel bevorzuge, kann man sicher kaum glauben, dass ich auch sowas lese. Aber tief in mir drin ist auch noch das kleine Mädchen, das die heile Welt liebt und an schönen Covern einfach nicht vorbeigehen kann. Und beim Anblick dieses Schmuckstücks wurde ich sofort schwach. Mit sowas kriegt man mich wirklich immer und wenn dann noch die Story eine Gute ist, entweicht mir auch hier und da mal ein wohliger Seufzer. Ob Aussehen und Inhalt hier überzeugen konnten, dürft ihr jetzt erfahren.

„Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ von Ali Shaw

Dieses Buch ist ein echter Blickfang im Regal, ein wahres Schmuckstück, ein Eyecatcher. Dieses Weiß mit dem zarten Grün und dem schwarzen Spotlack vermittelt den Winter, die „Farblosigkeit“ der Insel und das Glas – all das, was einen beim Aufschlagen des Buchdeckels erwartet.

Das Mädchen mit den gläsernen FüßenDazu kommt ein Schnitt aus Silber, der sich leider nur sehr schwer mit der Kamera einfangen lässt. Ich habe es mehrfach versucht und bin kläglich gescheitert. Daher verlinke ich euch am Ende noch eine Video-Rezension, in der man es besser sehen kann. Ich versichere euch aber, dass es wunderschön aussieht und im Licht toll glitzert. Ein märchenhafter Anblick und auch eine Art Märchen erwartet man, wenn man Aussehen und Klappentext verbindet.

Ali Shaw, der Autor von Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Kurzbeschreibung:
Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda’s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas.
Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.

Die Story

Da wäre Ida Maclaird, sie kehrt zurück auf die Insel, auf der sie kürzlich Urlaub machte. Eine Insel mit merkwürdigen Menschen, verschlossen oder besser gesagt „verschroben“. Ein Wort das der Autor sehr liebt und immer wieder benutzt, aber es passt irgendwie. Ida hat ein schwerwiegendes Problem und erhofft sich von einem der Bewohner Hilfe.

Dann ist da Midas Crook, ein schüchterner, junger Mann, der nichts mehr liebt als seine Kamera und die damit gemachten schwarz/weiß Aufnahmen. Er ist ein Einzelgänger. Der Vater beging angeblich Selbstmord, die Mutter hat kaum Kontakt zu ihrem Sohn. Bis auf seinen verwittweten Freund Gustav, mit dem er zusammen in dessen Blumenladen arbeitet, und dessen Tochter Denver, gibt es niemanden in Midas Leben.

Als er eines Tages auf Ida trifft, wird er von ihren übergroßen Stiefeln regelrecht angezogen. Die Stiefel sind so globig, dass sie einfach nicht zu der zierlichen Ida passen und er, auch anhand ihres vorsichtigen Ganges, gleich auf eine Fußkrankheit schließt. Dass es sich aber um solch eine „Krankheit“ handelt, hätte er wohl nie erraten. Idas Füße verwandeln sich nämlich. Seit ihrem Urlaub hier hat sie einen Glassplitter im Fuss, der einfach nicht zu entfernen ist und der ihre Füße nun langsam in Glas verwandelt. Offenbar droht die ganze Ida sich, von den Füßen aufwärst, in Glas zu verwandeln, wenn ihr nicht bald geholfen wird.

Der einzige, der das vielleicht kann, also Ida helfen, ist ein alter, verschrobener (wär hätte es gedacht) Mann, der Ochsenmotten hält. Henry Fuwa hat ein Geheimnis, einen Pferch mit kleinen Rindern, die Flügel haben. Ochsenmotten, sechzig Stück. Als Ida damals durch einen Zufall davon Kenntnis erlangt, konnte sie es nicht glauben, obwohl sie eine dieser Ochsenmotten in Händen hielt. Sie hielt sie für eine Spielzeugfigur. Auch was Henry sagte, konnte oder wollte sie ihm nicht glauben. „Würden Sie mir glauben, dass in den Sümpfen hier Körper aus Glas verborgen liegen?“ Nun denkt Ida, dass der alte Mann vielleicht weiß was mit ihr los ist und ihr helfen kann, aber Fuwa scheint unauffindbar.

Ida lernt Midas kennen, als er wieder das optimale Motiv für seine Kamera sucht. Dass er am Ende Idas riesige Stiefel im Sucher hat, konnte er ja nicht ahnen. Ida sucht ihn später im Blumenladen auf, in der Hoffnung, dass er den alten Fuwa kennt und weiß wo er sich aufhält. Die beiden freunden sich an und verlieben sich sogar. Von da an versuchen sie gemeinsam hinter das Geheimnis der wundersamen Verwandlung zu kommen und das Glas aufzuhalten. Es ist doch aufzuhalten?

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen, ein Blick ins Buch

Verziehrung auch zu Beginn der Kapitel

Erster Satz

„In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda’s Land vorbeitrieb, über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte.“

Meine Meinung

Leider konnte dieses Buch mir nicht so viele wohlige Seufzer entlocken wie erhofft. Zum Einen ist der Schreibstil sehr ausführlich und ausschweifend. Die einen mögen es poetisch und blumig nennen, ich nenne es langatmig und manchmal sogar langweilig. Der Autor ist sowas von detailverliebt, dass dem Leser kein Raum mehr zur eigenen Fantasie bleibt. Das Buch könnte 80 Seiten dünner sein, ohne dass der Story wichtiges fehlen würde. Aber das ist rein subjektiv, es gibt Leser, die lieben solch ausufernden Beschreibungen ja. Ich persönlich habe mich immer wieder dabei erwischt wie ich Absätze, ja gar ganze Seiten ausgelassen habe.

Zudem gibt es mehrere Erzählstränge von verschiedenen Personen, die durch ihren Wechsel und die vielen Rückblicke den Lesefluss stören und ebenfalls zu langatmig sind. Obwohl diese Rückblenden vieles erklären, nicht zuletzt das heutige Verhalten der Protagonisten, dauern sie einfach zu lange, sodass die eigentliche Handlung nur schwer voran kommt. Immer wenn es gerade spannend wird, kommt wieder ein Rückblick. Das ist sehr schade, da es eh viel zu wenig Spannungsmomente gibt. Die Geschichte plätschert vielmehr so vor sich hin.

Neben Ida und Midas kommen unter anderem noch Henry Fuwa „zu Wort“, der nicht nur Ida helfen soll, sondern auch für Midas Mutter schwärmte und Carl, der wiederum früher in Idas Mutter verliebt war, die an Krebs starb. Jede Person hat irgendwie ein verkorkstes Leben und mit diversen Schicksalsschlägen zu kämpfen. Der Ort des Geschehens und die Stimmung sind im wahrsten Sinne des Wortes kalt, farb- und trostlos. Alles wirkt nicht nur depressiv, es macht einen auch schwermütig.

Die Idee an sich finde ich toll, die Umsetzung ist allerdings nicht immer gelungen. Von den märchenhaften Elementen und der Liebesgeschichte bleibt bei all den Schicksalen, unerfüllten Wünschen, Missverständnissen und Krankheit nicht mehr viel übrig. Der Leser wird von der trostlosen Stimmung beinahe erdrückt und mit viel zu vielen offenen Fragen zurückgelassen.

Alles in allem lastet das Buch sehr schwer und auch diese Rezension fällt mir alles andere als leicht. Wenn ich all die Lobhudeleien bei Amazon oder den Buch-Gurus sehe, frage ich mich, ob ich das Problem bin. Vielleicht habe ich ja auch nicht alles verstanden und tue dem Buch Unrecht. Ich kann aber leider nicht näher ins Detail gehen, da ich nicht zu viel verraten möchte. Ihr solltet das Buch und seine Geschichte besser selbst entdecken.

Buchrücken mit und ohne Schutzumschlag

Buchrücken mit und ohne Schutzumschlag

Meine Bewertung

Es ist schwer für mich dieses Buch zu bewerten. Ich habe am Ende einfach meine positiven Eindrücke mit den, für mich, negativen Wahrnehmungen verglichen.

Pro

  • das Buch sieht hammermäßig gut aus
  • es ist abgeschlossen, keine Trilogie oder Reihe
  • die Idee ist super
  • kurze Kapitel
  • feingezeichnete Charaktere
  • märchenhafte, einfallsreiche Wesen
  • trotzdem teilweise sehr realitätsnah
  • das Ende

Contra

  • zu viele Wechsel und Rückblenden
  • langatmiger, ausschweifender Erzählstil
  • kalte, trostlose, sehr depressive Stimmung
  • zu wenig Spannung
  • zu viele Fragen bleiben offen
  • das Ende

Ich gebe dem Buch gut gemeinte 3½ Sterne. Ich empfehle euch die Leseprobe und die beiden Video-Rezensionen, die ich unten verlinkt habe. Die möchte ich euch unbedingt ans Herz legen, da die Rezensenten völlig anderer Meinung sind, als ich. Vielleicht helfen die euch bei der Entscheidung, ob das Buch was für euch ist, oder eher nicht.

Chaosweibs Bewertung: 3,5 von 5 Sonnenblumen

„Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ von Ali Shaw
Gebundene Ausgabe: 398 Seiten (ohne Danksagung)
Hardcover mit Spotlack, Schutzumschlag, silbernem Schnitt und Lesebänchen
Verlag: Script5 (erschienen im Januar 2012)
ISBN-13: 978-3839001318
Preis: 19,95 Euro

Ich empfehle auch
Die Video-Rezension von Steffi alias SternchenStar2010
Die Video-Rezension von Ela von ElasBuechertruhe
Die Website des Script5 Verlag
Die Website des Autors

Zum Schluss möchte ich mich noch ganz herzlich beim Script5 Verlag bedanken, der mir dieses Leseexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Tut mir leid, dass es keine 5 Sterne geworden sind. 😐

↑↑ wieder nach oben ↑↑
Hat der Artikel gefallen? Dann abonniere doch meinen Feed Chaos-Blog RSS Feed abonnieren

Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
Gepostet unter: gelesen
Tags: , , , , , , , , , , ,
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.


Eine Antwort auf Rezension: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

  1. Kratzi sagt:

    Das Buch sieht ja wirklich toll aus, ich mag farbige Buchschnitte auch sehr 🙂
    Die Geschichte spricht mich allein vom Klappentext schon nicht an, da tut deine Rezension ihr übriges. Ich hatte mich schon gefreut, dass ich wieder ein schönes Buch mehr in mein Regal stellen kann, aber leider ist das überhaupt nicht mein Themengebiet.
    Ich mag solche ausufernden Beschreibungen übrigens auch überhaupt nicht, das vermiest mir regelrecht den Lesespaß. Ist wohl auch ein Grund, weshalb ich die Herr der Ringe-Trilogie erst nach einem Jahr beendet habe ^^ Ich wollte die Bücher damals aber unbedingt alle lesen.

Jetzt mitreden!

Bitte beachte die Netiquette. Ich behalte mir vor Kommentare mit Werbe-Links und/oder Keywords als Namen zu editieren oder zu löschen! ↑↑ wieder nach oben ↑↑

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.