[TAG] Negative Buchrezensionen

BewertungssystemDas Lilaeulenkind hatte sich vor ein paar Monaten mal Gedanken gemacht, ob negative Rezensionen einen Nutzen haben und was sie “bewirken”. Sie hat sich 6 Fragen überlegt und das Ganze als TAG deklariert. Aufmerksam wurde ich auf den TAG durch Pero, der den TAG auch erst vor ein paar Tagen gemacht hat. Ich finde das Thema interessant und habe mich entschlossen daran teilzunehmen.

Angeregt wurde das Lilaeulenkind von einem Fall, der im November letzten Jahres die Netzgemeinde bewegte. Eine Bloggerin hatte auf ihrem Blog eine Rezension veröffentlicht in der sie beschrieb, (ich formuliere es mal so) dass sie das Buch mehrfach abgebrochen und wieder hergenommen hat und es ihr am Ende einfach nicht gefallen hat. Alles mit ordentlicher Begründung, versteht sich.

Daraufhin bekam sie sowohl vom Autor als auch vom Verlag üble Kommentare in denen man ihr mit dem Anwalt drohte, sie persönlich beleidigte, ja gar Wirtschaftskriminalität vorwarf. Ich empfehle die Kommentare zu lesen, die noch alle vorhanden sind und mit denen sich Autor und Verlag wohl selbst disqualifiziert haben.

Ohne die Statistik des Blogs zu kennen, hätten zum Beispiel 50 Leute die Rezension gelesen und 40 es wieder vergessen. Durch die Aktion von Autor und Verlag wurde in mehreren Blogs berichtet und wahrscheinlich mehrfach bei Facebook & Co geteilt, so dass Tausende davon erfahren und sich die Namen “gemerkt” haben. Eine wirklich tolle Aktion!

Ich persönlich bin für jede negative Kritik dankbar, die zum Beispiel bei Amazon geschrieben wird und das nicht nur bei Büchern. Ich lese grundsätzlich zuerst die 1- und 2-Stern-Bewertungen, wobei ich jetzt mal von ehrlichen und ernstzunehmenden Rezensenten ausgehe. Ich habe mir mal einen PC extra ohne Betriebssystem gekauft, weil ich die Software gerne in der Hand habe, falls das Ding mal abstürzt. Der PC war auch so deklariert “ohne Betriebssystem”. Ich las dann eine 1-Stern-Rezension in der das fehlende Betriebsystem angeprangert wurde. So jemand kann ich natürlich nicht ernst nehmen.

Doch ich schweife ab, also zurück zum TAG. :D

1. Haben schlechte Buchkritiken einen Nutzen/Mehrwert? Welchen?

Ja, haben sie. Für mich jedenfalls. Wenn alles immer nur hochgelobt würde, bräuchte man ja keine Bewertungen mehr und mit “geiles Buch, kann ich nur empfehlen” kann ich nichts anfangen. In einer negativen Rezension wird meist erwähnt, was dem Leser negativ aufgefallen ist und so kann ich entscheiden ob das auch für mich ein K.O.-Kriterium ist oder nicht. Eine Rezension ist IMMER subjektiv und was A nicht gefällt, kann bei B höchtes Interesse wecken. Eine negative Rezension hält mich also nicht zwingend vom Kauf ab.

2. Hast Du selbst schon mal eine negative Rezension zu einen Buch veröffentlicht? Wenn ja, wie waren die Reaktionen?

Ich habe hier im Blog zwei 2-Stern-Bewertungen (hier und hier) abgegeben, was man ja als eher negativ bezeichnen kann. Beim ersten hier “vermutete” der Verlag, ich hätte das Buch nicht verstanden. Ich gehe aber davon aus, dass das nicht wirklich böse gemeint war. Doch selbst wenn ich das Buch nicht verstanden hätte, sollte man sich dann nicht fragen warum und ob andere es wohlmöglich auch nicht verstehen?

Die Hälfte der Kommentatoren wollten das Buch übrigens trotzdem lesen und von einer weiß ich, dass sie es wirklich auf Grund der Rezension gekauft hat. Eine negative Rezension kann also auch Werbung sein. Man schaue sich nur die Diskussionen über “Shades of Grey” an. Hier haben wir 134 5-Stern-Bewertungen und 88 1-Stern-Bewertungen. Das Buch steht auf sämtlichen Bestsellerlisten auf Platz 1. Da haben die 88 negativen Rezensionen wohl nicht geschadet, oder?

3. Wie weit darf eine negative Rezension gehen? Nur zum Inhalt des Buches oder auch zum Autor, dem Layout, der Übersetzung etc. ?

In der Regel sollte man nur den Inhalt eines Buches bewerten. Es gibt aber auch viele Situationen in denen man Layout und Übersetzung bemängeln darf und muss. Beispiel Chris Carters “Der Knochenbrecher”. Hier ist sowohl der deutsche Titel als auch die Covergestaltung daneben. Im ganzen Buch wird kein Knochen gebrochen, der Originaltitel lautet “The Night Stalker” und ein rotes Seil kommt auch nicht vor. Zudem passt dieses Buch, das den 3. Fall des Detective Robert Hunter beschreibt, vom Aussehen nicht mehr zu den ersten beiden.

Der Knochenbrecher von Chris CarterIch denke sowas darf und sollte man bemängeln, damit der Verlag mal darüber nachdenkt und es vielleicht beim nächsten Mal besser macht. Solche Fauxpas gibt es wirklich massenhaft. Den Autor sollte man möglichst nicht bewerten, auf jeden Fall aber nicht persönlich werden. Den Schreibstil, die Umsetzung einer Idee usw. kann man schon ansprechen, aber immer sachlich bleiben.

4. Darf man nur Bücher schlecht bewerten, die man ganz gelesen (also nicht abgebrochen) hat?

Meiner Meinung nach, nein. Wenn man erwähnt, dass man ein Buch abgebrochen hat und begründet warum, ist das durchaus legitim.

5. Sind schlechte Bewertungen ehrlicher als gute? Wieso?

Nicht zwingend, das kommt sicher auf den Rezensenten an. Es gibt sowohl ehrliche gute als auch ehrliche negative Bewertungen. Manchmal ist in einer negativen Bewertung mehr aufgeführt, als in den guten und das ist eindeutig hilfreicher. Es kommt auch darauf an, wer eine gute Bewertung abgibt. Es gibt viele, die Bücher zur Verfügung gestellt bekommen und sich nicht trauen, diese schlechter als mit 4 Sternen zu bewerten.

Genau wie viele Produkttester hier, die jeden Scheiß in den Himmel loben, nur weil sie ihn gratis bekommen haben. Solche Beiträge sind natürlich wertlos. Ein aufmerksamer Leser kann das aber unterscheiden, denke ich.

6. Hat man durch eine schlechte Buchkritik mehr zu verantworten, als durch eine gute?

Nicht mehr und nicht weniger als bei einer guten Kritik. Wenn ich ein Buch hochlobe, es daraufhin 100 Leute kaufen und am Ende genervt in die Ecke werfen, dann wäre ich ja auch schuld, dass die unnötig Geld ausgegeben haben. Eine Rezension ist aber immer subjektiv, also nur die persönliche Meinung dieses einen Lesers und jeder andere ist für den Kauf oder Nichtkauf selbst verantwortlich.

Und wie schon gesagt, halte ich mit einer persönlichen negativen Meinung nicht zwingend jemand vom Kauf ab. Die Argumente sind wichtig. Der eine mag zum Beispiel kein Buch, das in der Gegenwart geschrieben ist, der andere mag die Ich-Form nicht und in beiden Fällen gibt es genug Leser, die damit keinerlei Probleme haben.

Kai, ich tagge Dich, weil ich denke, Du hast dazu auch was zu sagen. ;)

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Über Chaosweib

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14 Antworten auf [TAG] Negative Buchrezensionen

  1. gismolinchen sagt:

    Wow, hab mir mal die sogenannte “Pseudo-Rezi” und Reaktion durchgelesen, da bleibt einem ja die Spucke weg. Das war ja mal eine morgendliche Lektüre!!! Ja klar muß es auch negative Rezensionen geben, wieso denn nicht? Ich verstehe den Unmut darüber überhaupt nicht, denn jeder hat doch andere Vorlieben beim Lesen und je nach dem allerdings, wie man diese beschreibt, schürt man Neugier oder aber auch Gleichgültigkeit, allerdings stimme ich Dir auch zu, sollte man für eine gute Rezi auch das Buch gelesen haben und das von Beginn bis Ende, denn sonst glaube ich kaum, daß man sich ein wirkliches Bild von machen kann.

  2. Susi sagt:

    Ich treffe die Kaufentscheidung für ein Buch fast immer aufgrund von Rezensionen. Sonst würde ich bei der Fülle an Büchern die heutzutage angeboten werden, überhaupt nicht mehr durchblicken. ;)

    Ich habe mir bei Bücherzeit die Rezi und Kommentare mal durchgelesen und bin schockiert über die Reaktion des Autors. Ganz ehrlich wer keine Kritik vertragen kann, sollte auch kein Buch herausbringen. Es können unmöglich alle Bücher super toll sein, selbst der Platz 1 auf der Bestsellerliste muss nicht jedem gefallen…

    Der Sinn einer Rezension ist ja, eine ehrliche Meinung des Lesers bekommen – sonst wäre es sinnlos Bücher zu rezensieren.

    PS:

    Genau wie viele Produkttester hier, die jeden Scheiß in den Himmel loben, nur weil sie ihn gratis bekommen haben. Solche Beiträge sind natürlich wertlos.

    Das ist mir auch schon aufgefallen…. Böse ausgedrückt: gib ihnen ne kostenlose Tüte Reis und sie finden die Sorte grandios.

    Liebe Grüße
    Susi

  3. Rana sagt:

    Ich meine auch, Negativ – Rezis dürfen und müssen sein. Doch ein Freizeitleser, so wie ich, hat oft keine Lust, ein Buch zu beenden, dass ihm nicht gefällt. Deshalb gibt es mehr lobende Rezis, denke ich. Ich lese aber sehr gerne mal einen flotten Verriss … und ein Autor muss es aushalten, ignorieren oder was immer (natürlich tut das weh, aber andere Menschen müssen auch mit kritischen Äußerungen zu ihrer Arbeit leben, frag mal eine Verkäuferin…)
    LG von Rana

  4. Kai sagt:

    “Kai, ich tagge Dich, weil ich denke, Du hast dazu auch was zu sagen. ;)
    Oh, sehr gern und aber ja doch. *schmunzel* Hast du etwa kürzlich mal in mein Blog reingeschielt?

    Entwickelt sich ja langsam zu einem rechten Trio Infernale – Lilaeulenkind baut den Tag zusammen, du machst ihn und ich krieg ihn zugeworfen. :p

    • Kai sagt:

      Oh boy oh boy – was gäbe ich darum, heute nochmal im November letzten Jahres zu sein… DAS wäre ja ein gefundenes Fressen für mich gewesen. *lacht* So belasse ich es schmunzelnd dabei, dass Herr Asht und sein Kleinverlag zumindest im Feld der “Ich lebe online” Fraktion ganz erheblich Federn (und darüber hinaus wohl auch finanzielle Absätze) lassen musste. Harr, wirklich, wirklich schade.

      Eingedenk der Tragikomik der zitierten Rezension werde ich mich bemühen, den sechs Fragen eine Extraportion Tiefgang mit auf den Weg zu geben – diverse Ansatzpunkte gärten bereits beim Schmökern in diversen “kriminellen” Blog-Kumpanen, die schulterschließend zu Myriel standen. Und nein, definitiv nicht auf “Zwillingsbrut” bezogen – die ganze Geschichte ist nur der Funke an meiner Lunte-in-spe, die noch zu schreiben ist.

      Ich bin gespannt. Klingt seicht, ist aber so. Ich bin WIRKLICH gespannt, was ich dazu zu sagen haben werde. *kichert irre*

  5. Tina sagt:

    Ich orientiere mich beim Buchkauf auch oft an Rezensionen, meist schau ich ob der Betreffende auch Bücher rezensiert hat, die ich schon kenne und ob wir da einigermaßen einer Meinung sind :-) Amazon-Bewertungen sind mir eigentlich eher schnuppe, ich schreibe auch ganz selten selber eine. Ich habe auch schon selber, wenn auch ganz selten, ein Buch schlecht berwertet in meinen Rezensionen, aber noch nie Stress damit gehabt. Einmal habe ich sogar als Trost, weil mir das Buch (war ein Rezi-Exemplar von Blogg Dein Buch) überhaupt nicht gefallen hat vom Verlag einen Gutschein für ein Buch meiner Wahl bekommen :-)

  6. Sabienes sagt:

    Ich habe schon einige Bücher auf meinem Blog negativ bewertet und ich halte das für mein ganz offizielles Grundrecht!
    Wenn ich schon auf meinem eigenen Blog nicht meine Meinung äußern darf, wo dann sonst?
    Und wenn jemand mit negativer Kritik nicht leben kann, dann ist das nicht mein Problem.
    Allerdings gelten auch hier definitiv die Regeln des höflichen Umgangs miteinander.

    Sabienes

  7. Ela sagt:

    Ich hab das damals auch so am Rande mitbekommen und letztens auch bei einer anderen Bloggerin. Allerdings schrieb da jemand, dem man nicht nachweisen konnte, ob er nun zum Verlag oder Autor gehört und das ganze spielte sich bisher nur auf ihrem Blog ab.

    Negative Bewertungen müssen auch sein. Ich selber schau mir auch immer die Bewertungen mit den niedrigsten Sternen an, denn so kann ich sehen ob da was bemängelt wird, was mich wirklich stören würde, oder was mich nicht stört. Und bei einem Buch, was mich neugierig gemacht hat, lasse ich mich nicht unbedingt von ein paar vereinzelten negativen Kritiken verunsichern.

    Ich denke es ist jedem sein gutes Recht zu bemängeln!

  8. Pingback: TAG/TALK – Welchen Zweck haben negative Buchrezensionen? « Confidential Snowflakes

    • Kai sagt:

      Oh heavens joy! Da ist ja eeeendlich mal ein PB von mir durchgekommen. ;)
      Kannst also den Kommentar hier und den darüber (Here goes) löschen, oder so. *freu*

  9. Tom sagt:

    Ich muss sagen, ich neige eher dazu zu gut zu bewerten als zu schlecht. Ich bin vielleicht ein wenig anspruchslos xD. Ich hab bisher glaub ich nur einmal ein Buch mit zwei Sternen bewertet und sogar das halte ich im Nachhinein für ungerechtfertigt. Es war das Fantasybuch Midgard von Wolfgang Hohlbein und ich fand es eigentlich recht gut bis auf das Ende. Das Ende hat mir das ganze Buch so extrem versaut, dass ich einfach eine schlechte Rezension geben musste. Ich habe schon so einige schlechte Enden gelesen (Zuletzt von Eragon 4), aber sowas wie bei Midgard geht einfach gar nicht. Einfach die komplette Story wegzuwerfen und ein apruptes Ende einsetzen zu lassen ist für mich ein absolutes No-Go.

  10. Nana sagt:

    Toller Tag! Du sprichst mir sehr oft aus der Seele :)
    Jede Kritik ist wertvoll, solange sie konstruktiv und begründbar is! (:
    Ganz liebe Grüße an Dich :)
    die Nana

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