Der neue Duden: Muss das wirklich drinstehen?

DudenÜbermorgen, am 4. Juli 2013 erscheint der neue Duden, die 26. Auflage des bekanntesten Nachschlagewerkes zum Thema deutsche Rechtschreibung. In jeder neuen Auflage kommen neue Wörter dazu und damit der Duden nicht irgendwann platzt, fliegen auch regelmässig wieder welche raus. Das sind die Wörter, die nicht mehr gebräuchlich sind bzw. von denen man nichts mehr hört. Wenn ich mir aber so anschaue, was in den letzten Jahren alles im Duden gelandet ist, frage ich mich wie lange ich dieses Ding noch ernst nehmen kann. Eine große deutsche Zeitung hat jetzt mal die wichtigsten neuen Wörter, die es diesmal in den Duden geschafft haben, veröffentlicht. Und ich frage mich mal wieder muss das wirklich in einem Duden stehen?

Wie kommt ein Wort in den Duden?

Dazu mal ein kurzes Video vom Dudenverlag

Eine kleine Auswahl der neuen Wörter im aktuellen Duden

  • Alkoholschloss (Vorrichtung, die nur einem Nüchternen das Starten eines Autos erlaubt)
  • App (Anwendungsprogramm für Mobiltelefone)
  • aufmerksamkeitsstark
  • Compi (scherzhaft für Computer)
  • Digital Native (Mensch, der mit digtialen Technologien aufgewachsen ist)
  • E-Book-Reader
  • Energiewende
  • Enkeltrick
  • ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus)
  • E-Zigarette
  • Facebook
  • Flashmob (spontane Versammlung, verabredet per Internet)
  • fremdvergeben
  • hartzen
  • Klaukind
  • Kontaktdaten
  • Laubbläser
  • Leergutautomat
  • Leserreporter/in
  • nanoskalig (zwischen 1 und 100 Nanometern liegend)
  • Onlinerecherche
  • Parkour (sportlicher Hindernislauf in einer Stadt)
  • Pide (Fladenbrot)
  • Rabaukin
  • ranken (bewertend einstufen)
  • Schuldenbremse
  • Shitstorm (Entrüstungssturm in sozialen Medien)
  • Social Media
  • Spacko
  • Transaktionssteuer
  • Vollpfosten
  • Vorständin
  • wellnessen
  • Wutbürger/in
  • Zockerpapier

Quelle bild.de

Ganz ehrlich? Bei welchem Wort habt ihr mit den Augen gerollt? Wir müssen uns echt nicht wundern, wenn unsere Sprache, unsere Rechtschreibung und die Jugend gleich mit den Bach runtergeht. Was soll der „Spacko“, der „Vollpfosten“ und der „Compi“ im Duden? Genauso wie „hartzen“.

Ich sehe auch förmlich vor mir, wie der junge Bankangestellte dem Kunden Zockerpapiere statt Aktien empfliehlt. Dabei sollte er seine Glaubwürdigkeit noch mit dem passenden Outfit unterstreichen und statt Anzug und Krawatte, einen schwarz-weiß quergestreiften Einteiler wählen. 😀

Und dieser übertriebene Feminismus geht mir auch auf die Nerven. „Rabaukin„, „Vorständin„? Fehlt da nicht noch die „Vollpföstin“? Da muss man sich doch an den Kopf fassen, oder nicht?

In der nächsten Ausgabe steht dann sicher noch „iwie“ und „legga“ drin. Wie seht ihr das? Gehört sowas in einen Duden? Welches Wort würdet ihr in die nächste Ausgabe mit aufnehmen?

Diese Wörter sind rausgeflogen

Adrema, adremieren, Alwegbahn, antedatieren, Autocoat, beziehentlich, borgweise, Buschklepper, Diligence, Diskkamera, Dragonade, Füsillade, halbschürig, Makartbouquet, Makartbukett, Manggetreide, Mistigkeit, Mohammedanismus, Moskowitertum, münzmäßig, Plattei, schnadern, Schnatz, Stickhusten, Suszeptibilität, Swedenborgianer, Swedenborgianerin, Talkerde, Telekrat, Traftenführer, Vetterlich, Werdaruf  Quelle bild.de

Da ist jetzt auch nichts dabei, das ich auf Anhieb vermissen würde. Ich könnte aber schon wieder die Augen verdrehen, wenn ich zum Beispiel „borgweise“ statt leihweise lese oder „Swedenborgianer“ (Anhänger des schwedischen Philosophen Emanuel von Swedenborg). Ich war mit 15 Fan von Smokie, oder war ich eine Smokieianerin? Ich weiß es nicht, ich bin verwirrt…

Übrigens, wer sich für den neuen Duden interessiert, das 1216 Seiten starke Werk gibt es ab 4. Juli für 24,99 Euro und ihr erhaltet neben dem gedruckten Buch, die Rechtschreibsoftware für PC und die Wörterbuch-App für Smartphones und Tablets.

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Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
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3 Antworten auf Der neue Duden: Muss das wirklich drinstehen?

  1. Tina sagt:

    Ich dachte „Spacko“ oder auch gerne mal „Spacken“ sei typisch Ruhrgebiet? Wir sind ja nun nicht unbedingt bekannt dafür uns allzu sehr an den Duden zu halten 🙂
    Aber „Vollpföstin“ finde ich genial – vielleicht solltest du beantragen, das in den Duden aufzunehmen…

  2. Roland Grassl sagt:

    Leserbrief

    Durch die Aufnahme von zahllosen Anglizismen und Neusprechwort – Hülsen in den neuen Duden, hat sich die Redaktion von ihrer eigentlichen Aufgabe distanziert und den Absichten Konrad Dudens einen Bärendienst erwiesen. Statt dem geneigten Benutzer Sicherheit im Sprachempfinden zu gewähren und ihm einen Leitfaden für gutes und gültiges Deutsch an die Hand zu geben, wird deregulierter Kauderwelsch dargeboten, der solchen Entgleisungen in Zukunft als Legitimation dienen könnte nach dem Motto “es steht ja im Duden“.
    Der Verein für Deutsche Sprache VDS in Dortmund sieht den Duden bereits als Anwärter für den Sprachpanscherpreis 2013 in der engeren Wahl. Es ist kaum denkbar, daß der Duden wegen der Zurschaustellung meist kurzlebigen Jargons seinen Ruf so sehr aufs Spiel zu setzen wagt. Dabei ist eine deutliche Mehrheit in Deutschland laut Umfrage gegen die Aufnahme solcher Elaborate.
    Wenn auch die deutsche Sprache von heute mit der Goethes und Schillers nicht mehr vollständig deckungsgleich ist, so sollte sie wenigstens wiedererkennbar sein.Es wäre ehrlicher gewesen, der Duden hätte seine seine neueste Ausgabe in Esperanto verfasst.. Würde es beim gegenwärtigen Debakel bleiben, so könnten Ausländer in Zukunft kein vernünftiges Deutsch mehr lernen und auch die Goethe – Institute im Ausland wären wohl bald überflüssig. Doch glaube ich kaum, daß sich die deutsche Sprache so einfach abschaffen läßt und so bleibt doch etwas Hoffnung nach dem Motto „Kein Unglück ewig“

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