Story-Pics 2014: Meine Geschichte

Story-Pics 2014 Hallo Ihr Lieben,

holt euch einen Kaffee, es könnte etwas länger dauern. 😀
Wer auf meinem Blog regelmässig vorbeischaut, dem ist sicher nicht entgangen, dass hier Sonntags unterschiedliche Fotos mit dazugehörigen Wörtern gepostet werden. Da hatten wir 2013 den „Sonntags-Schnappschuss“, 2014 die „Story-Pics“ und dieses Jahr „Das kreative Sonntagsrätsel“. Aus den Wörtern werden dann am Ende der jeweiligen Aktion immer Geschichten.

Beim Schnappwort war es eine große, gemeinsame Geschichte und bei den Story-Pics im letzten Jahr hat jeder Teilnehmer die Worte für sich selbst gesammelt. Man durfte sich ein Genre aussuchen und dann haben sieben fleißige Schreiberlinge aus allen „Wortspenden“ jede Menge Geschichten gestrickt. Für jeden Teilnehmer eine eigene.

Und gestern war es dann soweit, unsere Geschichten waren fertig und meine möchte ich gerne mit euch teilen. Ich finde meine kleine Story echt klasse. Dass ich die Protagonistin bin, damit habe ich nicht gerechnet, aber damit geht auch so ein kleiner Traum in Erfüllung. Schon mit 12 habe ich mit meiner Freundin Anke „Mordkommission“ gespielt und auch wir haben unsere armen Opfer, die wir aus dem Katalog ausgeschnitten und in unsere „Akten“ geklebt hatten, erdrosselt, erstochen, erhängt, ertränkt, erwürgt, erstickt, erschossen… 😀

Hier kommt also meine Geschichte. Wer sie geschrieben hat, weiß ich noch nicht so genau, aber ich habe eine Vermutung. Es wäre nett, wenn die Autorin sich später in den Kommentaren zu erkennen gibt. Aber jetzt lest erstmal, was aus meinen Story-Pics geworden ist. Ich habe euch übrigens alle Wörter verlinkt, dann könnt ihr euch die Fotos nochmal ansehen, wenn ihr wollt.

Meine Wörter

Tatort, Mordwaffe, Currywurst, Lupe, Tafel, Chloroform, Klebeband, Koks, Schachzug, FBI, Fingerabdrücke, verstrickt, Tod, Kaffee, Kugeln, betäuben, sandig, parken, Fäden, Steine, Initialen, anhängen, Scherben, Fleisch, Häppchen, Temperatur, Eis, Ring, Batterien, Artefakt, DNA, Kopf, Taschentuch, Zeitumstellung, Schlüssel, Fahrrad/Rad, Zahn, Fluchtweg, Mann, Kuchen, Monteur, Winter.

Die Geschichte

Die mehrfach ermordete Frau von (Autor folgt)

Fluchend und vom Regen durchweicht kam die Kommissarin am Tatort an, der bereits von vielen ihrer Mitarbeiter bevölkert war. Mürrisch ging sie ihrem Kollegen entgegen, den alle Chaos nannten. Diesen allseits benutzen Spitznamen hatte er sich in seinen Jahren bei der Mordkommission redlich verdient. Jutta erinnerte sich an keinen einzigen Fall, in dem er nicht mindestens in ein Missgeschick verstrickt war, das in die Annalen der Dienststelle eingegangen war.
„Was wisst ihr schon?“
Chaos drehte sich erschrocken zu ihr, ließ eine Kaugummiblase platzen und murmelte verlegen: „Wenn ich das mit Sicherheit sagen könnte, ginge es mir besser. Die Dame hier“, er zeigte auf den Leichnam, „haben die Kollegen aus dem Wasser gezogen.“
„Hat sie sich freiwillig dort hinein begeben oder hat jemand nachgeholfen?“
„Bevor ich zur Beantwortung dieser Frage komme, sollte ich erwähnen, dass sie einen Strick um den Hals hatte und ein kleiner Dolch in ihrer rechten Seite steckt.“
„Wie bitte?“ Die Kommissarin sah ihn fassungslos an. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“
„Kennst du mich als Menschen, der in einer solchen Situation Scherze macht?“
Jutta schüttelte energisch den Kopf: „Einen Selbstmord schließen wir demnach aus.“
„Nein, zu diesem Zeitpunkt nicht ganz, obwohl es äußerst abwegig erscheint.“
„Allerdings, oder willst du mir erzählen, die Dame rammte sich ein Messer in ihren Körper, danach legte sie sich ein Seil um die Kehle und lief anschließend an den Fluss, um sich zu ertränken?“

Chaos tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. „Wo bleibt deine Fantasie? Genau genommen weißt du nicht, ob jemand die Frau gefunden hat, nachdem sie sich mit dem Messer verletzt und einen Strick um den Hals gelegt hat. Gesetzt den Fall, es war so, dann könnte derjenige aus Angst, ins Visier der Ermittlungen zu geraten, die Leiche in den See geworfen haben.“
„Sehr interessant, was du dir da zusammenspinnst. Ich gehe aktuell von einem Mord aus. Der Pathologe muss nur klären, ob sie bereits der Messerstich tötete, oder ob das Seil die eigentliche Mordwaffe ist.“
„Wenn du nicht zu voreilig bist“, erwiderte Chaos und klopfte seine sandigen Sohlen an einem der Steine ab, die neben ihm auf der Erde lagen.
„Lass diese Fantastereien zuhause in deinen Büchern, wo sie hingehören. Das glaubst du doch nicht wirklich?“
„Warum musst du immer so schrecklich realitätsnah denken. Wo bleibt dein Sinn fürs Außergewöhnliche?“
„Dafür werde ich nicht bezahlt. Du übrigens ebenso wenig!“
Sie lächelte eine Spur herablassend. „Bei einem ungeklärten Todesfall erhalten wir unseren Lohn dafür, die Fäden rasch in die Hand zu nehmen und niemals für abstruse Geschichten.

Chaos schaute sie beleidigt an: “Abstruse Geschichten? Was ist daran verkehrt, darüber nachzudenken, wie es gewesen sein könnte? Wer sagt dir denn, dass hier nicht ein Mord hinter einem perfiden Schachzug vertuscht werden soll?“
„Mein gesunder Menschenverstand“.
Er seufzte traurig. „Du meinst den, der dich im Leben schon so weit gebracht hat?“
„Ja, genau den hatte ich im Sinn. Zumindest beruflich hat er mich selten verlassen. Und was den Rest betrifft, sollte er kein Thema für Diskussionen an einem vermeintlichen Tatort sein!“
„Du hast recht. Tut mir leid, aber mit deiner Fantasielosigkeit ´a la FBI bringst du mich zur Weißglut. Meine Theorie ist ja auch nur eine Hypothese, zu der erschwerend hinzukommt, dass das Flusswasser sämtliche Spuren und Fingerabdrücke abgespült hat. So es denn überhaupt welche gab.“
Jutta grinste: „Ich mache dir einen Vorschlag. Wenn wir hier fertig sind, lade ich dich auf eine Currywurst ein und wir können in Ruhe über all das diskutieren, was dir auf dem Herzen liegt. Aber danach gehst du zu deinem Dealer und fühlst ihm auf den Zahn, was du bei der Einnahme der Koksrationen ändern musst.“

Ihr Grinsen wurde zu einem lauten Lachen, als sie die verdutzte Mine des Kollegen sah.
„Wirst du wohl aufhören, mich als verrückten und drogensüchtigen Fahnder darzustellen. Mich kennen hier nicht alle Leute. Was ist, wenn sie das in den falschen Hals bekommen und glauben, ich sei hier der Schneemann?“
„Ich vermute, dass es niemanden gibt, der dich nicht kennt. Zumindest vom Hörensagen. Chaos, du bist eine lebende Legende und wirst von mehr Menschen unter die Lupe genommen, als du auch nur ahnst. Aber jetzt lass uns endlich weitermachen. Ich musste in der Verladezone parken und habe keine Lust, einen Knollen von einem Mann der Verkehrspolizei vorzufinden.“
„Notfalls mit Chloroform betäuben und den Strafzettel aus dem Weg räumen“, schlug Chaos vor, bevor er sich mit wieder ernstem Gesichtsausdruck an den Rechtsmediziner wandte. „Gibt’s es schon was Neues?“

Dr. Rabeneck schaute die beiden mit ratloser Miene an. „Allerdings! Zuerst habe ich einige Kugeln im Gesäß der Frau gefunden. Ich würde auf Schrot tippen, aber das muss ich mir erst genauer ansehen. Hier kann ich also nur mutmaßen. Mindestens genauso stutzig machen mich die Spuren von Klebeband an ihren Fußgelenken. Zusammengenommen müsst ihr ab jetzt doch von einem Mordfall ausgehen. Ein Suizidfall, in dem man vier Methoden gleichzeitig anwendet, um zu Tode zu kommen, scheint mir so ausgeschlossen wie ein Häppchen Eis zum Nachttisch bei meiner Schwiegermutter.“

Chaos streckte seiner Kollegin mit einem gehässigen Geschichtsausdruck die Zunge heraus. „Okay, Juttalein, du hast auf der Tafel mit Punkten die Nase weit vorn! Schlampereien und Spinnereien kannst du mir wohl auch weiterhin anhängen. Ich gebe es zu, das Bild von einem Selbstmord ist grad in tausend Scherben zersprungen.
Manchmal ist der Instinkt fraglos die bessere Ermittlungsmethode.“
Jutta erklärte unbeeindruckt: „Eins zu null für mich, doch der Fall scheint eine Herausforderung zu sein und ich brenne darauf herauszubekommen, was sich abgespielt hat. Wollen wir ab jetzt wieder als Team zusammenarbeiten, oder magst du noch eine Weile am gegenseitigen Zerfleischen festhalten?“
Chaos schüttelte den Kopf: »Ich war schon immer mehr für Teamwork als Mobbing am Arbeitsplatz, denn darin liegt der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb schlage ich vor, wir spucken gemeinsam in die Hände. Lass uns der Rechtsmedizin Beine machen gehen. Nicht dass die DNA-Analyse länger braucht, nur weil sie noch an der Zeitumstellung vom Wochenende zu knabbern haben und in eine Art Winterstarre verfallen sind.«

»Seit Dr. Rabeneck seinem Chef bekundete, dass er eine neue Ausrüstung benötigt, weil wichtige Geräte historischen Artefakten glichen, herrschen dort ohnehin eisige Temperaturen«, Jutta lachte auf. »Hast du mitbekommen, dass er allen Ernstes erklärt hat, auf manchen seiner Gerätschaften und Werkzeuge seinen noch die Initialen von Indianern zu erkennen? Als er mir das am Telefon erzählte, hab ich mich fast am Kuchen verschluckt, auf dem ich kaute.«
»Du sollst ja auch nicht essen, wenn du redest. Ich sag es ja, Manieren wie ein Monteur. Trotzdem hat er ja recht, die Ausstattung ist wirklich von anno Tobak.«

In den gekachelten Kellerräumen herrschte reges Treiben und Juttas Befürchtungen, die Arbeit sei dort mehr oder weniger eingeschlafen, stellte sich als vollkommen unbegründet heraus. Dr. Rabeneck stand mit mehreren seiner Studenten in einem Ring um den Leichnam der Frau. Als sie, aufgeschreckt durch das Türgeräusch, bemerkten, dass die beiden Ermittler sich näherten, unterbrachen sie kurz ihre Diskussion über die bisherigen Erkenntnisse. Nahmen diese jedoch rasch wieder auf, als sich Jutta und Chaos eingereiht hatten.
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so viele unterschiedliche Arten anwendet, um jemanden um die Ecke zu bringen«, erklärte einer der Studenten kopfschüttelnd.
»Da stimmte ich dir absolut zu. Eine bis höchstens zwei Arten hätten ausgereicht, um mit Sicherheit zum Ziel zu kommen. Wieso also dieses grausame Vorgehen?«
Alle nickten zustimmend.
»Wo ist eigentlich Tobi, unser Schnüffler?«, fragte ein rothaariges Mädchen mit Brille in die Runde.
»Ist vorhin mit dem Rad weg, weil die Batterien seines vorsintflutlichen Walkmans leer waren.«

Dr. Rabeneck stellte sich mit stolzer Miene an das Kopfende des Tisches und deutete auf jeden der Anwesenden. »Sie alle haben unseren Köder geschluckt und sind auf die neueste Erfindung im Schulungswesen der Kriminalistik hereingefallen!«
Während fragende Blicke ausgetauscht wurden, trat Tobi durch den Notausgang in den Raum, obwohl ihm sein Mentor schon zigmal erklärt hatte, dass dieser nur als Fluchtweg zu benutzen war. Dem tadelnden Blick von Dr. Rabeneck wich er aus und fragte fröhlich: »Was geht ab?«
»Das fragen wir uns wohl alle«, ergriff Jutta das Wort.
»Sie alle sind auf unseren neu entwickelten Leichendummy hereingefallen, den wir in jahrelanger Forschung entwickelt haben, um den Polizeiapparat und alles, was damit zusammenhängt, noch besser zu schulen. Den Alarm haben wir selbst ausgelöst und die Option des Wassers gewählt, damit uns niemand so rasch auf die Schliche kommt. Verstehen Sie nun, warum ich Sie alle bat, noch mit der Autopsie zu warten und sich den Fall erst einmal genauestens von außen zu betrachten?«
»Das darf nicht wahr sein«, fluchte Chaos. »Gib zu, dass du bei einem echten Fall trotzdem nicht richtig gelegen hättest.«
»Gib du einfach zu, dass wir beide Zeuge einer der genialsten Erfindungen der Menschheit werden durften.« Sie schaute Dr. Rabeneck bewundernd an, hob den Daumen und trat näher an den Dummy.

******

Na, wie findet ihr meine Story? Die ist doch echt gut geworden, oder? Ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut. Bei den „Manieren wie ein Monteur“ musste ich echt laut lachen.

Ich habe ja nicht so viele Wörter gespendet wie die anderen, also keine 52. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich 10 Wochen ausgesetzt. Aber jetzt beim Verlinken der einzelnen Wörter ist mir aufgefallen, dass der Kaffee und das Taschentuch fehlen und dafür der Schnee (??) zuviel ist.

Trotzdem ist die Geschichte wunderbar geschrieben, auch wenn es für das „Juttalein“ Punktabzug gibt. 😀

Vielen, lieben Dank an meinen Schreiberling. Bitte kommentiere doch mal, wer Du bist, damit ich Deinen Namen oben einfügen kann.

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Über Chaosweib

Jutta - Nachtmensch, Bücherwurm, Spielkind, Teeliebhaberin - chaotisch, frech, neugierig, ungeduldig, experimentierfreudig - bloggt über alles, was ihr unter die Finger kommt und freut sich genau jetzt über deinen Kommentar :)
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5 Antworten auf Story-Pics 2014: Meine Geschichte

  1. Sandra sagt:

    Hallo Jutta,

    danke für den Hinweis zu den Worten. Im E-Book wird es eine klitzekleine Änderung in deiner Geschichte geben, damit auch alles richtig ist. Sorry, da hatte ich in der Tabelle was nicht korrekt eingetragen ;-). Fürs Outen des Schreiberlings musst du noch ein wenig Geduld haben, aber das schaffst du sicher.

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. Winnie sagt:

    … ich kann dir nur sagen, … dass ich es nicht war <3 coole Geschichte. Meine erscheint auch heute noch auf dem Blog!

  3. Pingback: Story-Pics, zwei Schreiberlinge packen aus

  4. Sandra sagt:

    Hallo Jutta,

    da es jetzt raus ist 😉 möchte ich mich gerne als dein Schreiberling outen ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

  5. Timm sagt:

    Hallo Jutta,

    es ist einige Zeit verstrichen, doch jetzt komme ich endlich dazu, allen Teilnehmern und insbesondere Sandra, meinen Dank zu sagen. Ehre wem Ehre gebührt. 🙂

    http://www.netzblogger.net/story-pics-finale-sammlung-kurzgeschichten/22363/

    Deine Geschichte ist wirklich sehr gut und spannend geschrieben. Gibt es eine Fortsetzung? 🙂

    Ich finde das eBook sehr gelungen. Hast Du es auch schon gelesen?

    LG Timm

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